Infosphäre & Allahs Automaten

Kunst & Design // Artikel vom 01.01.2016

Nicht weniger als frühe Vorformen der Globalisierung nimmt das ZKM mit zwei kleinen Ausstellungen ins Visier.

Mit „Allahs Automaten“ auf der Brücke zwischen Lichthof 8 und 9 rückt eine – scheinbar – weit entfernte Zeit in den Fokus. Zwischen dem 8. und 13. Jahrhundert waren die Araber der westlichen Welt um Längen voraus. Sie konstruierten Springbrunnen, mechanische Uhren, stumme Diener, kurzum: sinnvolle, nützliche Automaten und Spielereien, die großes Interesse an Pneumatik, Mechanik und den Gesetzen der Schwerkraft verraten, damals für Erstaunen gesorgt haben dürften und ihren Besitzer als Anhänger moderner Ideen charakterisierten.

Deutlich macht die Ausstellung aber auch, dass die Araber dafür auf byzantinische, griechische und alexandrinische Informationen zurückgreifen konnten und auf Wissen aus Indien, China und Ägypten aufbauten, das den Westen dann über „el-Andalus“, die arabische Enklave in Spanien, erreichte – davon ausgehend wurde die Renaissance ausgelöst. Wie eng dieses Wissen miteinander verknüpft wurde, zeigt exemplarisch die „Elefantenuhr“, bei der sich über einen ausgeklügelten Mechanismus, einer Spieluhr vergleichbar, der Elefantentreiber zur vollen Stunde mittels einer Kugel, die aus den Drachenköpfen ausgespuckt wird, bewegt.

Dass auch die „Infosphäre des 19. Jahrhunderts“ nicht so weit entfernt ist von jener des 21. Jahrhunderts, macht vielleicht am eindrücklichsten jenes Foto von Trevor Paglen deutlich, das die „NSA-Tapped Fiber Optic Cable Landing Site“ am Mastic Beach, New York zeigt – eine Etage höher erfährt man dann, dass das erste Transatlantikkabel bereits 1857/58 verlegt wurde, eine dauerhafte Verbindung aber „erst“ seit 1866 Europa und Nordamerika miteinander verbindet. Diese Ausstellung lenkt den Blick auf die frühen Versuche, Kommunikation von menschlicher Präsenz zu entkoppeln, ob mit Morsezeichen, Funkwellen oder durch die Entwicklung der drahtlosen Telegrafie.

Die Erfindungen des 19. Jahrhunderts sind damit unabdingbar für die Art und Weise, wie wir heute kommunizieren und Informationen oder Waren rund um den Globus schicken. Insofern sind beide Ausstellungen wichtige Module innerhalb der „Globale“, denn sie machen deutlich, dass weit zurückliegende Erkenntnisse uns bis heute beeinflussen (können). -ChG

Infosphäre 19. Jh.: bis 1.5., ZKM-Lichthof 2; Allahs Automaten: bis 28.2., ZKM-Lichthof 8+9, Karlsruhe

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