Jean-Honoré Fragonard

Kunst & Design // Artikel vom 22.12.2013

Die weiße Fläche zieht magisch an.

Was klingt wie ein Statement zu monochromer Malerei, ist durchaus auch zutreffend auf die Zeichnungen, die jetzt von Jean-Honoré Fragonard in der Kunsthalle zu sehen sind. Denn ob Leinwand, Zimmergrenze oder Buchseite – die Leere ist offensichtlich, lockt und macht neugierig. Diese Neugierde spricht auch aus jeder Faser des lesenden Mannes, übrigens eines der wenigen Gemälde in dieser Ausstellung.

Fragonard sei zwar international durchgesetzt, in Deutschland ist er aber (wenn überhaupt) mit seinen erotischen Darstellungen bekannt. Diese erste umfassende Ausstellung dieses Ausnahmekünstlers des 18. Jahrhunderts will daher den „Nachholbedarf“ (Müller-Tamm) stillen, den von Fragonard geführten Dialog der Medien über ausgewählte Gemälde sichtbar machen und insgesamt auf eine Zeit hinweisen, die nicht nur eine Blüte für die Kunst in Frankreich bedeutete, sondern auch große Veränderungen mit sich brachte.

Deutlich wird auch, dass für Fragonard die Zeichnung nicht Vorzeichnung oder Skizze war, sondern vollgültiges Werk, das gleichberechtigt neben dem Gemälde Bestand hatte. Und dass er neben den erotischen Blättern auch das Exotische, die Landschaft, das Genre und nicht zuletzt die Literatur thematisierte.

Seine Interpretationen zu Ariost sind expressiv-leidenschaftliche Momentaufnahmen, die bereits auf die kommende Moderne hinweisen mit ihrer schwungvollen, freien Linienführung. Fragonard, den selbst die Imagination reizte, entführt den Betrachter in eine andere Zeit, in fremde Welten. Wer darin eintauchen möchte, dem sei vor allem der Aktionstag am 12. Januar anempfohlen: Stefan Viering liest Ariost (11 Uhr) und das Kinderkonzert macht den Riesen Caligorant aus dem „Rasenden Roland“ (be)greifbar (15 Uhr). -ChG

bis 23.2., Aktionstag: 12.1., 10-18 Uhr, Kunsthalle Karlsruhe

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