Kaiser und Sultan

Kunst & Design // Artikel vom 12.12.2019

Blaues Zelt aus Krakau, osmanisch, 1. Hälfte 17. Jh., Krakau Schloss am Wawel, BLM, Foto: ARTIS – Uli Deck

Die Türken waren einmal schwer in Mode.

Die badischen Herrscher kleideten sich im 17. Jahrhundert bei ihren Festen auch gern in osmanischer Tracht und ließen sich so auch malen, wie der Türken-Louis, Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, der seiner Lust am Exotischen gern nachgab, seine Frau Sibylla Augusta verkleidete sich als Ungarin. Und der Kaffee: Das erste Kaffeehaus wurde 1685 gegründet, zwei Jahre nach dem letzten großen Sieg über die Osmanen vor Wien: Der Armenier Johannes Thiodat hat von Kaiser Leopold I. das Privileg bekommen, „türkische getränk“ auszuschenken.

Die Zeit zwischen 1600 und 1700 war eine kriegerische Zeit: In Mitteleuropa tobte der Dreißigjährige Krieg, danach verwüsteten die Franzosen Baden und die Pfalz, im Osten kämpften die Habsburger gegen das Osmanische Reich, das bis nach Ungarn reichte. Aber hier war es auch eine Zeit des Austauschs, wirtschaftlich, wissenschaftlich und künstlerisch. Von beidem erzählt die Große Landesausstellung. Auf zwei Etagen verteilt, werden die Türkenkriege mit Waffen, Harnischen, Helmen, Reitsätteln und Brustpanzern im reich verzierten osmanischen Stil dokumentiert.

Sie stammen vor allem aus der Karlsruher „Türkenbeute“, ergänzt u.a. durch Leihgaben aus der Dresdner „Türckischen Kammer“. Die reiche Ausstellung zeigt aber auch die andere Seite: „Wir belegen, was abseits der Kriege möglich war“, sagt Projektleiterin Schoole Mostafawy, „dass erst wirtschaftliche und kulturelle Wechselbeziehungen zwischen dem Osmanischen Reich und der Habsburgermonarchie zum beidseitigen zivilisatorischen Fortschritt führten“.

So übernahmen die Osmanen neue Erfindungen wie Fernrohre und Buchdruck und kauften 1732 aus der noch jungen Meißener Porzellanmanufaktur 43.000 Trinkschalen. Überraschend sind die muslimischen Gebetsteppiche, die in evangelischen Kirchen in Rumänien aufgehängt wurden, um damit ein Zeichen gegen die Zwangskatholisierung zu setzen. Gezeigt wird in Migrations- und Fluchtgeschichten auch die Bereicherung, die die damalige Masseneinwanderung (meist Richtung Türkei) mit sich brachte. -gepa

bis 19.4., Badisches Landesmuseum, Karlsruhe

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