Karl Hubbuch

Kunst & Design // Artikel vom 27.11.2016

Fresser, Schieber und Bäuerin, 1924, Städtische Galerie Karlsruhe/Karl Hubbuch Stiftung, Freiburg

Es ist eine eher leise Ausstellung, die die Städtische Galerie aus diesem Anlass ausgerichtet hat.

Sie zeigt rund 80 Druckgrafiken, Bleistift-, Feder-, Lithokreide- und Tuschezeichnungen, entsprechend ist ihr Grundtenor schwarz-weiß. Aber gerade in seinen frühen Jahren differenzierte Karl Hubbuch aus, komponierte kleinteilig-verschachtelte Szenerien mit einem oft beklemmend direkten Blick auf die jeweiligen politischen Umstände. Der Zeichner und Maler ist sicher einer der bekanntesten Söhne Karlsruhes, in jedem Fall aber der prominenteste der Neuen Sachlichkeit. Obwohl er hier geboren ist und auch starb, obwohl er an der Karlsruher Akademie zunächst studierte und dann lehrte, scheint die Fächerstadt in dieser Ausstellung hinten anzustehen gegenüber seinen Reisen nach Berlin und seiner großen Liebe Frankreich.

Fast jährlich bereiste er das Nachbarland und gab 1931 im Selbstverlag 40 Skizzen und Zeichnungen zu „La France“ heraus. Eigentlich hätte ein Gegenstück unter dem Titel „Deutsche Belange“ folgen sollen, dazu kam es aber nicht. Die Blätter „Die Herren Kritiker“ und „Der Aufmarsch“ berichten dennoch ungeschminkt von der politischen Situation Anfang der 1930er Jahre in Deutschland – wenig verwunderlich, dass Hubbuch als erster Professor mit einem Arbeitsverbot durch die Nazis belegt wurde. „Kein Ausweg“ ist neben der letzten Arbeit „Selbstbildnis vor der Haustür“ das vielleicht anrührendste Werk der Ausstellung.

Aber während die junge Frau mit den roten Schuhen auf einem Bahnsteig steht, wo der Zug offensichtlich schon längst abgefahren ist, spricht das Selbstbildnis von tiefer Traurigkeit darüber, dass der ab 1970 zunehmend erblindende Künstler sich nicht mehr anerkannt fühlte in einer Welt, die er nicht mehr verstand. -ChG

bis 22.1.17, Städtische Galerie Karlsruhe

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