Kosmos Kaffee

Kunst & Design // Artikel vom 08.10.2020

Kosmos Kaffee (Foto: Kaffeekirschenernte, CC vandelinodias, pixabay.com)

Das Naturkundemuseum widmet seine neue Sonderausstellung dem liebsten Getränk der Deutschen.

Und die Rede ist mitnichten vom Bier! 162 Liter Kaffee pro Kopf und Jahr werden hierzulande getrunken, rund ein Drittel mehr als Gerstensaft. Die Wanderausstellung des Deutschen Museums macht den „Kosmos Kaffee“ mit allen Sinnen erlebbar und verfolgt den langen Weg der Bohne in die Tasse. Über fünf Themenbereiche widmet sich die Schau dem anregenden Getränk, beginnend bei der Biologie der Kaffeepflanze über die chemischen und technischen Prozesse der Herstellung und Zubereitung, die sozialen und ökonomischen Zusammenhänge des globalen Handels hin zur Kulturgeschichte des Kaffeetrinkens.

Ein Kaffeewald mit typischen Geräuschen und Düften gibt einen Eindruck von den tropischen Anbaugebieten. Das Klimaregal zeigt, welche Auswirkungen Erderwärmung und Krankheiten auf den Anbau haben. Ein prüfender Blick auf die ursprünglich aus Afrika stammende Kaffeepflanze und ihre bedeutendsten Vertreter Coffea Aarabica und Canephora sowie die Früchte mit ihrem kostbaren Kern erklärt anschaulich die Biologie der heute auch in Asien und Südamerika angebauten Gewächse. Dazu gibt es interaktive Elemente wie das „Kaffeeanbau-Spiel“.

Man erfährt, wie Fermentieren und Rösten die Aromen hervorbringen; auch die chemische Zusammensetzung der Inhaltsstoffe wird behandelt. Und in den Apothekerschubladen kann man Mythen über gesundheitliche Schäden ebenso nachspüren wie den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Das ganze Spektrum der Technik des Röstens, Mahlens und Brühens wird aufgezeigt – ob frühe Röstpfanne oder erster Kugelröster, innovative Espressomaschine oder älteste Herdkanne, dazu der erste Handfilter von Melitta Bentz aus dem Jahr 1908 sowie viele weitere Gerätschaften aus unterschiedlichen Epochen.

Besondere Attraktion: der Wirbelschicht-Röster, in dem bei Vorführungen Kaffee zum Mitnehmen frisch geröstet wird. An der Börsenwand kann man sich in einem interaktiven Spiel selbst als Kaffeehändler versuchen. Außerdem vollzieht die Ausstellung die Entwicklung von der Kolonialzeit mit Sklavenarbeit bis hin zur Fair-Trade-Bewegung nach. Ein Begleitbuch sowie ein -programm mit Vorträgen und Führungen erläutert die Schau. -pat

Do, 8.10.-6.6.21, Naturkundemuseum, Karlsruhe

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