Kubismus satt

Kunst & Design // Artikel vom 31.07.2012

Ein weiches, frühsommerliches Licht fällt in die Tageslichträume des Museums.

Es bricht sich in den kubistischen Formen der Skulpturen von Henri Laurens, zaubert wechselnde Reflexe auf deren Oberfläche. Lichtfarben entstehen, die sich wiederum in den kräftig bunten Gemälden von Fernand Léger widerzuspiegeln scheinen. Ein „Tête-à-Tête“ findet statt – so auch der Ausstellungstitel.

Eine trotz des opulenten Umfangs fast schon intime Schau, lässt sie die Betrachter im Gegenüber der Arbeiten von Léger und Laurens die Künstlerfreundschaft, Wertschätzung und den Einfluss auf das Werk des jeweils anderen erahnen. Doch Jean-Louis Prat, Kurator der gelungenen Schau, betont: „Kopiert haben sich die beiden Ausnahme-Künstler nie!“, es ist vielmehr eine geistige Nähe, die hier im direkten Gegenüber der Arbeiten zum Ausdruck kommt.

Und so hat man immer wieder den Eindruck, die Gemälde Légers würden in die Dreidimensionalität übersetzt, die Skulpturen von Laurens mit kräftigen Farben angefüllt. In diesem erstmaligen Miteinander (zu dessen Stimmigkeit auch Leihgaben beitragen, die vorher noch nie die Grenzen Frankreichs überschritten haben) lassen sich die beiden Franzosen in einem völlig neuen Licht betrachten.

Beide thematisieren in ihren Arbeiten die sich Anfang des 20. Jahrhunderts durch Industrialisierung, Einführung der Elektrizität und Erfindung des Autos stark ändernde Welt, beide übersetzen sie in kubistische Formen und beide haben ein spezielles Interesse an der menschlichen Figur. Parallel zur Egalisierung von Mann und Frau findet in den Kunstwerken eine Entindividualisierung statt, die Léger in seiner künstlerischen Übersetzung eines Gedichts zusammenfasste: „Liberté, j’ecris ton nom.“ Diese Freiheit scheint auch in den Skulpturen von Laurens auf. -ChG

bis 4.11., Museum Frieder Burda, Baden-Baden

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