Kunst in Bewegung

Kunst & Design // Artikel vom 18.09.2018

Im Grunde war es die Bewegung, die die Moderne „gemacht“ hat.

Dampfmaschine, Automobil, Rechenmaschine. Die radikale Transformation der Lebensverhältnisse seit dem 19. Jahrhundert ist grundlegend auch der Entwicklung von bewegten Geräten geschuldet. Große Strecken lassen sich schneller überwinden, große Mengen schneller produzieren, das Verhältnis von Raum und Zeit löst sich auf. Dies beeinflusst auch und besonders den künstlerischen Blick auf die Welt. Das bewegte Bild entsteht, Film und Video werden zu dominierenden Massenmedien.

Aber auch die bildhafte Bewegung rückt in den kreativen Fokus, etwa in kinetischen Skulpturen wie den komplexen Maschinenplastiken von Jean Tinguely. Bald werden die Transportmedien selbst kritisch kommentiert. Vor allem das Fernsehen, das rasch zum einseitigen „Bilder-Berieselungsapparat“ der Massen wird, eine Entwicklung, mit der sich Pioniere der Videokunst wie Nam June Paik auseinandersetzten. Mit dem rasanten Voranschreiten der Computertechnologie wird auch die Wechselwirkung von Mensch und Computer beleuchtet. Interaktive und generative Installationen machen den Besucher zum User und Akteur des Werks und lassen etwa Pflanzen zum Interface zwischen Mensch und Maschine werden.

„100 Meisterwerke mit und durch Medien“ hat das ZKM zusammengetragen, die die „Kunst in Bewegung“ in unterschiedlichen Facetten beleuchten und ihnen noch einmal 300 Referenzwerke beigesellt, die einen Querschnitt durch rund 140 Jahren Kunst und Wissenschaft erlauben. Sie sind ganz bewusst nicht hierarchisch aus kunstwissenschaftlicher Perspektive gegliedert, sondern vom Medium ausgehend: Meisterwerke, die die Kunst in Bewegung brachten, sind eben nicht nur von Duchamp, Eisenstein oder Lye, sondern auch von den Lumières, Wozniak und Sony. -sk

bis 10.2.2019, ZKM-Lichthof 1+2, Karlsruhe

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