Kwiekulik

Kunst & Design // Artikel vom 20.06.2018

Kunst und Leben gehörten bei ihnen zusammen.

Und darum machten sie manche ihrer Kunstwerke in der Küche, manchmal inszenierten sie sogar ihren kleinen Sohn: Von 1971 bis 1987 waren Zofia Kulik und Przemyslaw Kwiek ein Liebes- und ein Künstlerpaar. Mit ihren Gemeinschaftsaktionen setzten sie sich vom Sozialistischen Realismus, aber auch von der damals modernen Konzeptkunst ab. Dabei machten sie keine Performances: Selten war Publikum bei ihren Aktionen, oder sie wurden einbezogen und schufen gemeinsam mit Kwiekulik, so ihr Künstlername, die vergänglichen Kunstwerke. Vieles wurde sogar nur „für ein Kameraauge“ gemacht, „Aktionen für eine Kamera“ nannte Kwiek das.

Im Kunstverein werden jetzt viele ihrer Aktionen mit Fotos, Dias, Planskizzen und Filmen dokumentiert: Sei es ihr Spiel mit dem von Verwandten geschenkten Gemüse, das sie um ihr Baby herumdrapierten und fotografierten, ihr ironischer Reflex auf die stets präsenten roten Flaggen oder die Verwandlung von Kuliks Kopf durch Anmalen und Bestücken mit aufgesetztem Ton. Die Ausstellung gibt nicht nur Anstöße für eine interaktive, politische und humorvolle Kunst in Polen, sondern ist auch programmatisch für den Kunstverein, der seit Jahrzehnten Kunst aus dem Osten präsentiert.

Das Jubiläumsprogramm hat neben den festen Mittwochsterminen zwei Höhepunkte: Am 20.6. wird Rebecca Stephany mit „200 Sisters Souvenirs“ eine „feministische Ausstellungslesart“ zeigen, mit einem phantasievollen Rückblick auf 200 Jahre Ausstellungskataloge, Randnotizen und launische Bilder. Am 27.6. wird das Hörspiel „200 Jahre Badischer Kunstverein“ von Volker Zander und Felicitas Wetzel uraufgeführt, eine Collage aus Interviews mit Mitarbeitern, Besuchern, Akteuren und Künstlern. Es ist gleichzeitig Auftakt für das Sommersymposium: Dabei sind u.a. die ehemaligen Direktoren Klaus Gallwitz, Georg Bussmann und Michael Schwarz, aber es wird sicher nicht nur ein beschaulicher Rückblick: Die Zukunft ist ihnen genauso wichtig. -gepa

Kwiekulik: „She And He” Finissage: So, 1.7., 12 Uhr, Vortrag von Georg Schöllhammer; Mi, 20.6., 19 Uhr, „200 Sisters Souvenirs”; Mi, 27.6., 18 Uhr, Hörspiel „200 Jahre Badischer Kunstverein“; Fr, 29.6., 14 Uhr, bis So, 1.7., Sommersymposium; Mi, 4.7. Tina Gerken: „Hola-Hoop“, Badischer Kunstverein, Karlsruhe

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 6 plus 3.

WEITERE KUNST & DESIGN-ARTIKEL





Kunst & Design // Tagestipp vom 01.11.2020

Das Karlsruher Künstlerduo „Das Änderungsatelier“ hat für die Junge Kunsthalle eine außergewöhnliche Installation rund um die Gießkanne entwickelt, die zu einer vergnüglichen und zugleich kuriosen Entdeckungstour einlädt.





Kunst & Design // Tagestipp vom 01.11.2020

Seine ersten Streik-Erfahrungen als junger Pfaff-Mitarbeiter dokumentierte Günter Heiberger ebenso wie die Proteste gegen den Abriss des alten Gefängnisses mit seiner Kamera.





Kunst & Design // Tagestipp vom 29.10.2020

Türen trennen Räume und Menschen, können sie aber auch verbinden.





Kunst & Design // Tagestipp vom 29.10.2020

Die Architektin, Dramaturgin und Kuratorin Cagla Ilk und der Kurator, Schriftsteller und Pädagoge Misal Adnan Yildiz bilden das neue Leitungsduo der Kunsthalle Baden-Baden.





Kunst & Design // Tagestipp vom 29.10.2020

Nie bleibt er stehen, und doch fließt ein Fluss „ewig“.





Kunst & Design // Tagestipp vom 29.10.2020

Der „Oberrheinische Kunstpreis Offenburg“ 2020 geht an Peter Bosshart.





Kunst & Design // Tagestipp vom 29.10.2020

Elke Wree bringt das innere Erleben von Natur malerisch zum Ausdruck.





Kunst & Design // Tagestipp vom 29.10.2020

Bunte Ponys, badende Katzen, tanzende Hummer.





Kunst & Design // Tagestipp vom 29.10.2020

Computerspiele sind nicht nur Popkultur oder Konsumprodukt, sondern längst auch Kunstwerke oder kulturelle Artefakte, die uns etwas über Welt und Gesellschaft sagen können.