Ladies First

Kunst & Design // Artikel vom 26.02.2015

„Ladies First“ – so hieß es so lange, wie Frau keinen eigenen Rang, sondern automatisch jenen ihres Mannes hatte.

Diese Zeiten sind vorbei, zumindest was Knigge und Benimm betrifft. Schaut man aber auf das Ranking im internationalen Kunstbusiness, so gilt immer noch der pseudoemanzipatorische Chauvie-Spruch „But Gentlemen before“. Dem setzt jetzt das Schauwerk Sindelfingen einen kräftigen Kontrapunkt entgegen, indem es rund 100 Installationen, Gemälde und Zeichnungen, Plastiken und Videoarbeiten von etwa 30 Künstlerinnen aus den letzten Jahrzehnten zeigt.

Klar darf dabei die „Altmeisterin“ der Gender-Kunst, Rosemarie Trockel, nicht fehlen mit ihren Herdplatten-Wandobjekten und Strickbildern, die typisch weibliche Hausarbeiten ironisch aufgreifen. Dagegen setzt sich Sylvie Fleurys „First Spaceship on Venus“ mit dem auseinander, was landläufig als männlich konnotiert wird – um dann, in Lippenstiftfarben lackiert, aus der Krieg bringenden Waffe ein hochästhetisches Objekt zu machen.

Mit ihrer Schuhinstallation knüpft sie zwar an frühere Arbeiten an, kommt aber über den Eindruck eines Schuhsalons, nachdem eine Horde schuhbegeisterter Teenies durchgezogen ist, nicht hinaus. Dafür sind die Kunstwerke Isa Genzkens, aus Acrylglas gefertigte Tischchen nämlich, die zum Benutzen einfach zu schön, zu filigran sind (und außerdem gelegentlich das Tischbein an der verkehrten Stelle haben), ebenfalls ironische Antworten, diesmal auf den zugestellten Alltag.

Da könnte man fast, aber auch nur fast Lust auf Entspannung bekommen. Allerdings sind Monica Bonvicinis Hängematten eher eine krude Mischung aus Folterkammer und Sado-Maso denn mit Wohlfühl-Faktor ausgestattet, mutieren sie doch durch ihre Materialität – in Stahl gefertigt – zum Objekt. In den 80ern gab es ein wunderbar feministisches Märchenbuch „Dornröschen packt die Heckenschere aus“ – mit „Ladies first!“ kommt jetzt die künstlerische Antwort darauf. Vielfältig, bunt und laut, aber auch hintersinnig und nachdenklich machend – viele Facetten weiblichen Kunstschaffens werden aufgefächert.

Und das ist nur der erste Streich, der zweite folgt sogleich: Am 8.2. eröffnete „Venusfalle“, bei der der männliche Blick auf die Frau thematisiert wird. Muse oder Venusfalle, das ist hier die Frage, unter der so bekannte Namen wie Alex Katz, Jim Dine, Ugo Rondinone oder Anselm Kiefer zu sehen sind. -ChG

Ladies First: bis 30.8., Venusfalle: bis 17.1.16, Schauwerk Sindelfingen

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