Leiterin der Städtischen Galerie geht in Ruhestand

Kunst & Design // Artikel vom 22.12.2020

Nach zwölf Jahren als Leiterin der Städtischen Galerie Karlsruhe geht Brigitte Baumstark Ende Dezember 2020 in den Ruhestand.

1955 in Baden-Baden geboren, studierte sie Kunstgeschichte, Baugeschichte und Geschichte an den Universitäten Karlsruhe und Wien. Nach der Promotion in Karlsruhe und einem wissenschaftlichen Volontariat am Badischen Landesmuseum Karlsruhe kam sie 1989 als Leiterin des Pfinzgaumuseums zur Stadt Karlsruhe. 1995 wechselte sie zur Städtischen Galerie, damals noch im Prinz-Max-Palais, wurde 1998 stellvertretende Leiterin und übernahm 2008 die Leitung des Hauses, in dem neben dem umfangreichen Kunstbestand der Stadt Karlsruhe auch die hochkarätige Sammlung Garnatz untergebracht ist.

Mit großem Engagement führte sie die Ausstellungstätigkeit des kommunalen Museums fort und setzte neue Akzente, die themenbezogene Kunstausstellungen ebenso umfassten wie den Ausbau der museumseigenen Kunstvermittlung, darunter die Gründung des ersten Jugendkunstclubs in Karlsruhe. Unter dem Titel „Sammlungsschau“ etablierte sie ein Ausstellungsformat, das es in dieser Form zuvor nicht gab, nämlich Themenausstellungen, die allein aus dem eigenen Bestand des Museums zusammengestellt wurden, z.B. „Fotokunst aus der Sammlung“ oder "Blickwechsel – Gesichter einer Sammlung“. Auch die Dauerausstellung im zweiten und dritten Obergeschoss des Museums wurde unter dem Motto „Umgehängt“ immer wieder nach bestimmten Fragestellungen neu geordnet.

Den Blick auf die Karlsruher Kunstakademie – einen Schwerpunkt, der bis in die Anfänge der Galerie zurückreicht – vertiefte sie im Hinblick auf junge Positionen durch die seit 2009 jedes Jahr hier gezeigten Ausstellungen zum „Werner-Stober-Kunstpreis“, aber auch durch Präsentationen der MeisterschülerInnen der Akademie. Die vielfältigen Verflechtungen der Karlsruher Kunstgeschichte mit regionalen, nationalen und internationalen Bezugspunkten wurden in Ausstellungen wie „Schwarzwald-Bilder. Kunst des 19. Jahrhunderts“, „Natur und Poesie um 1900. Otto Modersohn, Paula Modersohn-Becker und Worpswede“ oder „Paris, Paris! Karlsruher Künstler an der Seine 1850-1930“ beleuchtet.

Ganz besonders lagen ihr zeitbezogene Fragestellungen und ihre Umsetzung in der zeitgenössischen Kunst am Herzen. Das erste Projekt in dieser losen Reihe war dem Thema „Bildschön. Schönheitskult in der aktuellen Kunst“ gewidmet, gefolgt von „Kunst-Stoff“ mit Textilien als künstlerischem Material, dann „Zeichen. Sprache. Bilder“ zur Thematik der Schrift in der bildenden Kunst seit den 1960er Jahren und „(Un)endliche Ressourcen? Künstlerische Positionen seit 1980“. Erwähnt seien schließlich auch die Architekturausstellungen in Zusammenarbeit mit dem Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau am KIT, allen voran die Schau „Friedrich Weinbrenner 1766-1826. Architektur und Städtebau des Klassizismus“ zum 300. Stadtjubiläum von Karlsruhe.

Drei Ausstellungen, deren Eröffnungen in den letzten Wochen der Amtszeit von Baumstark geplant waren, konnten wegen der Corona-Pandemie bislang nicht gezeigt werden. Es handelt sich dabei um die Präsentationen „Daniel Roth. Stac Lee“ im Forum des Museums und „Wilhelm Loth. Figuration 1949-1979“ im zweiten Obergeschoss, die beide zugänglich sein werden, sobald die Museen wieder für das Publikum geöffnet sind. Die große Sonderausstellung im Erdgeschoss „Verborgene Spuren. Jüdische KünstlerInnen und ArchitektInnen in Karlsruhe 1900-1950“ wurde um einige Monate verschoben und wird ab 6.5.2021 zu sehen sein. -ps

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