Majolika: Schwung und Elan in altem Gemäuer

Kunst & Design // Artikel vom 13.02.2012

Ein neuer Geist weht durch den gut 110 Jahre alten Traditionsbetrieb.

Aufbruchstimmung ist zu spüren, die nicht zuletzt von der Begeisterung des neuen Geschäftsführers, Dr. Dieter Kistner, für seinen Posten angetrieben wird. Seit 1.1.2012 ist der promovierte Betriebspädagoge und Managementberater auf der Stelle, bei der moderatorisches Fingerspitzengefühl sicher hilfreich ist, um Zuversicht zu vermitteln und einen Teamgeist zu schaffen. „Ich bin von meinem Job hier begeistert – aber anders kann man das bei der Vielzahl der anstehenden Aufgaben gar nicht machen“, meint Kistner.

Die Handwerkstradition der Majolika wird seit Kurzem wieder hoch gehalten, verbunden mit dem Anspruch, mit neuen Produkten und Ideen neue Märkte und Käuferschichten zu erschließen. „Wir sind eine Manufaktur, keine Fabrik, und der Manufakturcharakter muss erhalten bleiben“, so Kistner, wobei die Majolika natürlich Erträge erwirtschaften muss. Dennoch fühlt man sich der Kunst in ganz besonderem Maße verpflichtet. Dass sie wieder große Wertschätzung erfährt („unser elementarster Bereich“, wie Kistner betont), wird auch deutlich dadurch, dass die Einrichtung von einer „Stiftung für Kunst und Kulturförderung“ geführt wird, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Majolika noch enger an Stadt und Region anzubinden.

Denn das Alleinstellungsmerkmal der Majolika ist gerade, dass freischaffende Künstler in den Ateliers der Majolika arbeiten, dort entweder freie Objekte gestalten oder aus den traditionellen Formen Künstlerunikate kreieren, und damit zum einzigartigen Charakter des Betriebs entscheidend beitragen. Ein wichtiger Termin im Jahreskalender ist denn auch die art Karlsruhe, bei der die Kooperation mit Künstlern wie beispielsweise Isa Dahl nach außen getragen wird. Die meisten der Künstler sind übrigens Maler, die in der Majolika erstmals mit dem Material Ton in Berührung kommen. Umso erstaunlicher, was Günter Wagner aus Ton geschaffen hat: Seine Konstruktionen wirken wie Stahlskulpturen und sind damit im doppelten Sinn optische Täuschungen. Denn auch die Konstruktion selbst „funktioniert“ nicht so, wie es auf den ersten Blick scheint. Sehr spannend!

Noch konstruktiver wird es bei der anschließenden Ausstellung, die einen Arbeitsbereich vorstellt, der hohe Priorität in der Majolika genießt: die Kunst am Bau. Edith Baerwolff, Hannelore Langhans und Rosemarie Vollmer haben, nicht zuletzt an verschiedenen Stellen in Karlsruhe, Arbeiten in halböffentlichen Räumen bzw. im unternehmerischen Umfeld wie der Sparkasse am Europaplatz oder der EnBW umsetzen können und am Wettbewerb zu den Straßenbahn-Haltestellen teilgenommen. Unter dem sinnigen Titel „Brennstoff“ zeigen Entwurfsfliesen, Skizzen und Zeichnungen der drei Künstlerinnen neben dem Entwurfsprozess auch die verschiedensten Techniken, die in diesem Material möglich sind (ab 26.2.). -ChG

Günter Wagner/Friederike Zeit: bis 19.2., Brennstoff: Eröffnung 26.2., 11 Uhr, 26.2.-7.5., art Karlsruhe: Halle 1, Majolika

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