Musikkultur in Baden-Württemberg

Kunst & Design // Artikel vom 16.04.2010

Im Ländle hat man nicht nur Ahnung von Spätzle und Kehrwoch.

Der Süden Deutschlands steht auch für eine außerordentlich vielseitige Musikszene, die in der Sonderausstellung „Vom Minnesang zur Popakademie. Musikkultur in Baden-Württemberg“ im Schloss Karlsruhe beleuchtet wird. Der deutsche HipHop nahm mit den Fantastischen Vier von Stuttgart aus Fahrt auf, souligen Pop schenken die Söhne Mannheims.

Die Popakademie in der Quadratestadt zaubert ein Talent nach dem anderen aus dem Hut (u.a. Konstantin Gropper/Get Well Soon, Johanna Zeul, Rapper Danny Fresh oder Wallis Bird, die im Gastsemester einen Teil ihrer Band kennen lernte). Die Jazzer, darunter Thomas Siffling, Rainer Böhm, Bodek Janke und Peter Lehel, sind ein wunderbar buntes, musikverrücktes Völkchen. In der Klassik punkten zahlreiche Festivals (u.a. Donaueschinger Musiktage, Schwetzinger Festspiele), hervorragende Opernhäuser und international renommierte Künstler wie die Violinistin Anne-Sophie Mutter. Und das sind nur einige der baden-württembergischen „Hits“ der letzten Jahrzehnte!

In sechs Abteilungen wird dieser reiche Musikschatz, ausgehend von den aktuellen Strömungen bis zurück zum Mittelalter, im Landesmuseum mit allen Sinnen anschaulich erfahrbar gemacht – viele Hör- und Multimediastationen stützen den praktischen Aspekt. Zu den spannendsten Sektionen gehören sicherlich „Neue Musik“ (von vielen vorschnell als „Schrägtöner“ abgetan, bietet die Moderne Klassik äußerst reizvolle, farbige und breit gefächerte Strömungen, die es zu entdecken lohnt), „Konzert“ (beschäftigt sich mit modernen Unterhaltungsformen von Clubgigs bis MP3-Mucke, Großveranstaltungen in Stadien bis hin zur guten alten Hausmusik) sowie „Musik und Macht“ (inwiefern ist Musik ein Politikum und was können Songs bewegen?).

Bei unzähligen Kooperationen in den unterschiedlichsten Locations – die Liste reicht von Konzerten, Vorträgen, Workshops bis hin zu Künstlerbegegnungen – dürfte jeder etwas in seiner persönlichen Lieblingstonart finden. Immer donnerstags lädt das BLM selbst zu einem Pfeiler seines Begleitprogramms. Ein Highlight dürfte der Besuch der singenden Fönwelle Dieter Thomas Kuhn sein, der am 3.6. um 19 Uhr im Karlsruher Schloss aus dem Nähkästchen plaudert. Wie lebt es sich als Partykanone? Warum ist Bad Taste das neue Très Chic? Und wozu Omis Lieblingsschlager aufrüschen, wenn es doch jetzt den Wendler gibt? Wer weiß: Vielleicht gibt Dieter Thomas Kuhn ja sogar ein paar singende Antworten.

Auch für Kinder und Jugendliche werden anlässlich der Sonderausstellung viele Extras geboten. Infos zum wechselnden Aktionsprogramm und den einzelnen Terminen (teils mit Anmeldung) sind über das Badische Landesmuseum zu erfahren. Zehn Helmhöltzler entwickeln gemeinsam mit den Ausstellungsmachern sowie ihren Lehrern musikalische Führungen für junge Museumsbesucher. Die Klangwerkstatt lädt zum Hören, Sehen und Experimentieren ein, angegliedert ist sogar ein waschechtes Tonstudio.

In Zusammenarbeit mit der Popakademie Mannheim kann man sich hier an einigen Tagen zu bekannten Melodien austoben und wird dabei aufgenommen. Ergänzend zum spannenden Großprojekt im Badisches Landesmuseum findet parallel die Schau „Freud und Leid in Dur und Moll“ in Stuttgart statt, die versucht, das Verhältnis von Musik und Emotion zu erschließen, sowie „Schwarzwaldmädel. Ein Motiv bewegt die Zeit“ im Deutschen Musikautomaten-Museum Bruchsal. -er

16.4.-12.9., Badisches Landesmuseum, Schloss, Karlsruhe
www.landesmuseum.de
www.musikkultur-bw.de

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