Negativer Raum. Skulptur und Installation im 20./21. Jahrhundert

Kunst & Design // Artikel vom 15.04.2019

Gego (Gertrud Goldschmidt), Tronco No.2, Approx. 975 , Fondación Gego, Courtesy: Daros Latinamerica Collection, Zürich, Foto: Marcel Meuri, Zürich

Negativer Raum?

Das ist das Dazwischen: zwischen der Skulptur und dem Raum um sie herum, zwischen den einzelnen Teilen der Skulptur, also zwischen Arm und Körper bei den klassischen Figuren. Oder es ist der Freiraum an sich oder es sind die Um-, Hohl- und Zwischenräume, die Spiegel-, Licht- und Schattenräume, die eine Skulptur - sei sie modern oder traditionell - umgeben oder umspielen. Oder, denn es ist eine Ausstellung im ZKM, es sind auch die virtuellen Datenräume, die in interaktiven Installationen oder in virtueller Kunst das Kunstwerk überhaupt erst ausmachen.

Entgegen der traditionellen Definition der westlichen Kunst, die seit der Antike mit der Idee des Körpers verbunden ist und als feste und in sich geschlossene Körper, als mehr oder minder mächtige und gewichtige Positiva im Raum gedacht und wahrgenommen werden, will die ZKM-Ausstellung der Kontur, Leere und Levitation verpflichtet sein: leicht statt schwer, nicht voll, doch leer, geöffnet statt geschlossen, diaphan statt dicht, luftig und licht. Unsere Vorstellungen und Erwartungen davon, was eine moderne oder zeitgenössische Skulptur ist, werden noch immer wesentlich von eben jenem Konzept der Körperskulptur geprägt, das formal auf den drei elementaren Kategorien Masse, Volumen und Schwerkraft gründet. Ob körperbezogen wie bei Auguste Rodin oder abstrahiert wie bei Richard Serra, Skulptur ist immer noch in erster Linie Masse, Volumen und Gravitation.

„Negativer Raum“ möchte den Blick auf die moderne und zeitgenössische Skulptur ändern und eine andere Geschichte der Skulptur erzählen. Sie will die Beziehungen von Skulptur und Raum dezidiert vom Raum und nicht von der Skulptur aus denken. Natürlich gibt sie dabei auch einen umfassenden Überblick zur Kunst der Skulptur, und die Liste der ausgestellten Künstler geht von Robert Adams und Hans Arp über Max Bill und Marcel Duchamp bis Jean Tinguely, Andy Warhol, Erwin Wurm und Anya Zholud. -gepa

bis 11.8., ZKM, Karlsruhe

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