Nina Laaf

Kunst & Design // Artikel vom 08.07.2018

Nina Laaf, o. T. (Brandspur), 2018, Foto: H. Pelz

Ein breites, an der Wand schwebendes Band mit einem bunten Muster; eine stabile, wuchtige Säule mitten im Raum; ein an die Wand gelehnter, an einem Halter befestigter Stab.

Aber nichts in Nina Laafs Skulpturen ist, wie es scheint: Das schwebende Band ist aus Metall, die schwere Säule aus leichtem Styropor, und der Stab spielt mit dem Halter ein fragiles Spiel. Denn wenn man näher hinschaut, weiß man nicht mehr, ob der Stab nicht den „Halter“ hält. Und ob nicht beides gleich miteinander herunterkracht. Den diesjährigen „Hanna-Nagel-Preis“ hat die Bildhauerin Nina Laaf bekommen, ehemalige Meisterschülerin von Harald Klingelhöller. Laaf spielt mit dem Material, lässt Aluminium wie Styropor aussehen und Metall wie Stoff, verformt, faltet und bemalt es.

Wie in ihrer Arbeit „Faltung“, wo sie aus einem Kupferblechkegel eine Rose geformt zu haben scheint: Mit Kraft und Geschwindigkeit hat sie den Kegel zusammengepresst, sodass er sich in sich faltet, hat ihn mit Lack bemalt und am Rand hochgedrückt. Die Kraft ist in der „Faltung“ noch spürbar, gleichzeitig bilden sich zarte Strukturen heraus, die dem Blech etwas Fragiles und Papierartiges geben. Ein feiner Humor, eine präzise komponierte Spannung und sogar noch der Akt des Machens sind in ihren Skulpturen stets sichtbar und rufen beim Betrachter ein konzentriertes Innehalten, einen leisen Moment des Staunens und des Neuentdeckens hervor.

Die Ausstellung in der Städtischen Galerie mit ihrem kleinen Ausschnitt aus Laafs reichhaltigem Werk zeigt ihre Ironie, ihren spielerischen und dennoch präzisen Umgang mit Form und Bewegung, mit dem Material, das sie umformt, umdeutet und oft von seiner Schwere befreit. Im Regionalen Industriepark Osterburken wird sie jetzt auch am Skulpturenradweg beteiligt sein, ihr künstlerischer Beitrag sind hellblaue Wellen in unterschiedlicher Größe am Rand des Radwegs, die durch Aussparungen stets den Blick auf die Natur freilassen. -gepa

bis 8.7., Städtische Galerie Karlsruhe

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