Open Codes

Kunst & Design // Artikel vom 19.10.2017

Kann man Bots vor ein Gericht zerren?

Sind selbstlernende Computer für das, was sie tun, verantwortlich? Die Künstlerin Helen Knowles hat einen Gerichtsprozess inszeniert, in dem ein Superthunderbot angeklagt ist, ein Programm aus dem Bereich des maschinellen Lernens, das seine algorithmische Sequenz unabhängig von menschlicher Überwachung selbst regulieren kann. Aufgrund seiner Aktionen sind fünf Teilnehmer einer unkontrollierten klinischen Studie gestorben. Knowles und andere Künstler zeigen mit ihren Werken in der großen Ausstellung „Open Codes“ im ZKM, welche Gefahren in der Technik stecken, welche soziopolitischen Folgen die pure Anwendung des binären Codes, auf dem alle Computertechnik basiert, haben kann.

Selbstfahrende Autos werden ja auch schon erprobt – der britische Künstler James Bridle lässt so ein Auto auf einen Salzkreis auf einem Parkplatz zufahren und schon ist es in einer alten Magie gefangen. Denn die künstliche Intelligenz weiß, dass eine durchgezogene Linie, auf deren außenliegender Seite eine unterbrochene Linie verläuft, niemals überfahren werden darf... Vom Binärcode des Philosophen und Mathematikers Leibniz bis zum Morsecode, vom kosmischen Code bis zum genetischen Code, von der Kommunikation bis zum Transportwesen – die Ausstellung versammelt künstlerische und wissenschaftliche Arbeiten, die es dem Besucher möglich machen, die Welt aus Bits und Bytes zu verstehen. Nicht nur technisch, sondern vor allem in ihren Auswirkungen auf das menschliche Leben! Geschaffen wird eine Mischung aus Labor und Lounge, Lernumgebung und „Club Méditerranée“.

Die Besucher sollen und können hier neue, ungewöhnliche Wege zu Bildung und Lernen ausprobieren und vertiefen, programmieren, mit Bots und anderer Technik lernen und sich so mit Technologien anfreunden, die man vorher vielleicht ablehnend beäugt hat. Ein bildungspolitisches Experiment soll es werden, das sich für die Besucher lohnen soll. Die ausgestellten Arbeiten, die sowohl auf analogen wie auf digitalen Codes basieren, zeigen und erläutern die komplexe Dynamik von Codes und gehen auf die Geschichte ein, wie Codes unser Leben verändert haben, zum Guten wie zum Schlechten. Materielles wie Immaterielles wird auf künstlerische wie wissenschaftliche Weise präsentiert. Dabei sind Werke von Künstlerinnen und Wissenschaftlern wie Isaac Asimov, Ludger Brümmer, Arthur C. Clarke, Margret Eicher, Harun Farocki, Jörn Müller-Quade oder Karin Sander. Ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Filmen, Vorträgen und Symposien begleitet die Ausstellung. -gp

Eröffnung: Do, 19.10., 19 Uhr, 20.10.-5.8., ZKM, Karlsruhe

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