Paris, Paris!

Kunst & Design // Artikel vom 09.03.2019

Karl Hubbuch, Das Wahrzeichen, 1926,    Sammlung Hans Kinkel im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, Foto: Monika Runge

Man sieht sie fast vor sich, die Maler mit ihren Skizzenblöcken am Seine-Ufer, auf den Stufen einer Kirche, im Gewusel des Montmartre.

Mit schnellen Strichen fangen sie das urbane Leben von Paris ein, Straßenzüge à la Hausmann, eilige Passanten und natürlich immer wieder: den Eiffelturm, Notre-Dame, den Pont Neuf. Auch vor Jahrzehnten schon konnte sich das Auge nicht sattsehen an den Sehenswürdigkeiten, die uns auch heute immer wieder nach Paris ziehen. Im 19. Jahrhundert war die Stadt an der Seine umso mehr der kreative Place to be, ein wenig wie Berlin oder New York heute. Dort pulsierte das Leben, dort wurden Trends gesetzt. Paris war Avantgarde!

Schon um 1800 strömten zahlreiche Kunstschüler in die Seine-Metropole, um die Werke der alten Meister zu studieren und ihre Kenntnisse in den Ateliers berühmter Maler und Bildhauer zu vertiefen – unter ihnen auch viele Karlsruher, die sich für einige Zeit oder gar dauerhaft in Paris niederließen. Von Anselm Feuerbach bis Hans Thoma, von Karl Albiker über Karl Hubbuch bis Otto Laible waren sie alle an der Seine. Entstanden ist ein umfangreicher Kunsttransfer, der das Schaffen dieser KünstlerInnen – ja, auch ein paar wenige Frauen waren darunter – nachhaltig geprägt hat. Den erstarrten heimischen Akademiebetrieb ließ man hinter sich, die Formensprache wurde freier, man traute sich zu experimentieren. Man ging an private Akademien, man besuchte Ateliers bekannter Künstler.

Rund 40 von ihnen kann man in der Städtischen Galerie nun gewissermaßen über die Schulter schauen. Wie haben sie das urbane Leben in Paris eingefangen? Wo blieb ihr Blick hängen? Wie entwickelte sich ihre bildnerische Sprache? Dabei ziehen den Besucher vor allem die Skizzen und Zeichnungen immer wieder an – auch im gediegenen Gewusel des Eröffnungsabends, den neben musikalischer Begleitung die Kulturprominenz der Stadt bestritt. Mit Bleistift oder Feder scheint man dem kreativen Leben buchstäblich zuschauen zu können, sieht, wie da Inspirationen gesammelt wurden, wie die Künstler die Atmosphäre der Stadt aufgesaugt haben. Paris, Paris!

Zu sehen ist außerdem die Ausstellung zum „Kunstpreis der Werner-Stober-Stiftung“, der 2018 an Andreas Arndt ging. Arndt arbeitet in langfristigen Projekten, die Verfahren der Forschung adaptieren, aber immer handmade sind. „Hand in Hand“ bringt die Ergebnisse eines Experiments zusammen, in dem der Künstler dem Phänomen nachspürte, wie sich Haptik und Denken wechselseitig beeinflussen und in welchem Verhältnis Hand und Gehirn zueinander stehen. -sk

bis 2.6., Andreas Arndt, bis 5.5., Städtische Galerie Karlsruhe

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