Paris, Paris!

Kunst & Design // Artikel vom 22.02.2019

Albert Haueisen Gesellschaft im Freien, 1909, Privatsammlung NRW

Im 19. Jahrhundert war die Stadt an der Seine der kreative „Place to be“, ein wenig so wie Berlin oder New York heute.

Dort pulsierte das Leben, dort wurden Trends gesetzt. Paris war Avantgarde! Schon um 1800 strömten zahlreiche Kunstschüler in die Seine-Metropole, um die Werke der alten Meister zu studieren und ihre Kenntnisse in den Ateliers berühmter Maler und Bildhauer zu vertiefen. Auch viele Karlsruher Künstler zog es nach Paris. Manche mieteten sich für einige Monate eine Unterkunft und besuchten eine der zahlreichen Privatakademien, andere ließen sich dauerhaft in Paris nieder und verbrachten Jahre dort – von Anselm Feuerbach bis Hans Thoma, von Karl Albiker und Karl Hofer über Karl Hubbuch bis Otto Laible, sie alle zog es an die Seine, um sich dort ganz unterschiedlich inspirieren und den erstarrten heimischen Akademiebetrieb hinter sich zu lassen.

Hans Thoma etwa hielt sich 1868 nur 16 Tage lang in Paris auf; doch seine Begegnung mit Gustave Courbet und dessen Gemälden hinterließen nachhaltige Eindrücke in seinem eigenen Schaffen. 1899 kamen die Karlsruher Studienkollegen Karl Albiker und Karl Hofer nach Paris, um dort zu studieren. Albiker erhielt entscheidende Impulse für seine plastische Arbeit; Hofer, der 1908 bis 1913 erneut in Paris lebte, wurde von Cézanne und dem frühen Picasso nachhaltig beeinflusst. Die Städtische Galerie Karlsruhe beleuchtet umfangreich die Spuren dieses Kunsttransfers Paris – Karlsruhe mit vielen hochkarätigen Exponaten in der chronologisch und nach Themen gegliederten Ausstellung „Karlsruher Künstler an der Seine 1850-1930“.

Parallel zu sehen ist die Ausstellung zum Kunstpreis der Werner-Stober-Stiftung, der 2018 an Andreas Arndt vergeben wurde. Arndt arbeitet in langfristigen Projekten, die Verfahren der Forschung adaptieren, aber immer handmade sind. „Hand in Hand“ bringt die Ergebnisse eines Experiments zusammen, in dem der Künstler dem Phänomen nachspürte, wie sich Haptik und Denken wechselseitig beeinflussen. In welchem Verhältnis stehen Hand und Gehirn zueinander? -sk

Vernissage: Fr, 22.2., 19 Uhr, bis 2.6., Städtische Galerie, Karlsruhe

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