PF Revisited

Kunst & Design // Artikel vom 04.05.2017

Dead Bird (Foto: Janusch Tschech)

Als Hochblüte der Pforzheimer Schmuckproduktion – zumindest mengenmäßig – gilt die Zeit um 1900.

Eine der „Spezialitäten“ made in Pforzheim lag in einem hohen Grad an Arbeitsteilung verbunden mit dem Bestreben, Schmuck durch den Einsatz von Maschinen verhältnismäßig kostengünstig zu produzieren. Die dafür notwendigen Arbeitsschritte, die Spezialisierung und das Spezialwissen waren eines der Erfolgsrezepte, denn zahlreiche Handgriffe mussten dennoch von ausgebildeten Fachkräften durchgeführt werden, von Fertigungsstraßen war (und ist) man weit entfernt. Was anfing mit Manufakturen, in denen um die vorletzte Jahrhundertwende oft mehrere Hundert Arbeiter beschäftigt waren, setzt sich in Pforzheim bis heute fort, in kleinerem Maßstab und mit neuen Techniken.

Bei der Ausstellung „PF Revisited“ treffen drei Generationen von Schmuckgestaltern aufein ander. Nicht einmal Wikipedia hat einen eigenen Eintrag zur Guillochiermaschine. Seit Jahrhunderten gravieren Goldschmiede bestimmte Ornamente, feine, schnurartige Linien auf Metall – dies nennt man Guillochieren. Diese und weitere Techniken bewahren pensionierte Pforzheimer Schmuckmeister vor dem Aussterben, indem sie ihre Kompetenz an Studenten weitergeben. „Pforzheim Revisited“, ein Projekt des Studiengangs Schmuck der Hochschule Pforzheim, ist bundesweit einzigartig und wurde von der Unesco prämiert. Die Resultate aus der bald zehnjährigen gestalterischen Forschung zeigen, wie historisches Wissen erhalten und neu interpretiert werden kann, denn die Studenten lernen Hohlprägen und die Friktionsspindelpresse kennen und tragen jahrhunderte- alte handwerkliche Fähigkeiten weiter.

Erstmals sind rund 50 Exponate, darunter klassischer Schmuck wie Ringe, Ketten, Broschen und Armreifen, aber auch Objekte, nun öffentlich zu sehen. Entstanden sind die Arbeiten der angehenden Schmuck-Designer gemeinsam mit den alten Meistern. Genutzt wurden dabei historische Fallhammer und Fußhebelpressen ebenso wie neue digitale Techniken wie 3D-Druck und Laserschneiden. Am 7.5. und 18.5. um 11 Uhr finden Führungen statt – mit Präsentation der historischen Maschinen am 21.5. um 11 Uhr. Zur Ausstellung erscheint die Publikation „Prägen, Stanzen, Guillochieren“ (Arnoldsche Art Publishers), ein Standardwerk, das die manufakturellen Techniken erstmals technisch beschreibt, herausgegeben von Prof. Andi Gut und Frieda Dörfer, den Kuratoren der Ausstellung. -rw

Eröffnung: Do, 4.5., 19 Uhr, bis 21.5., Emma – Kreativzentrum Pforzheim, Do/Fr 15-19 Uhr, Sa/So 11-19 Uhr

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