Plötzlich dieser Überblick

Kunst & Design // Artikel vom 13.06.2019

Ausstellungsansichte mit Werken von Aljoscha Heims (Foto: Pietro Pellini)

28 Newcomer-KünstlerInnen in der Städtischen Galerie Karlsruhe.

Einer doppelten Herausforderung stellte sich auf Initiative der Professorinnen Julia Müller und Ulla von Brandenburg die jüngste MeisterschülerInnen-Generation der Karlsruher Kunstakademie. Deutschlandweit einzigartig: Die AbsolventInnen-Show wird jedes Jahr in einer anderen baden-württembergischen Kunstinstitution gezeigt. Nun ist die Ausstellung zu Gast in der Städtischen Galerie Karlsruhe (das letzte Mal gastierte sie dort 2012) und dafür hat man sich ein außergewöhnliches Konzept überlegt. Auf drei Etagen galt es, die eigenen Arbeiten inmitten der historischen Dauerausstellung der Galerie zu platzieren, wo der Karlsruher Nachwuchs in einen spannungsreichen Dialog mit der deutschen Malerei-Tradition des 20. Jahrhunderts tritt. Zwischen den generationalen Polen erschließt die Show unterschiedliche Korrelationen – formal, thematisch und mitunter spielerisch. So hat Lucía Dominguez Madeira den kargen 1920er-Interieurs von Willi Müller-Hufschmid ein Küchenstillleben mit Wasserkocher beiseite gestellt. Zu Füßen von Karl Hofers „Frierender“ sind in statten Farben glänzende Keramiken als Picknick-Gedeck ausgebreitet.

Ein gewisser Hang zu fluoreszierenden Tönen fällt auf: Macha Selbach versetzt die Abendstimmung „Gelinotte Road“ in psychedelische Schwingung; Aljoscha Heims Porträts erzeugen aquarelliartige Unschärfe-Effekte bei maximaler farblicher Sättigung und Yulong Lin evoziert mit transluzenten Ebenen und lockerer Geometrie Bildmeditationen auf acht Quadratmetern Leinwand. Allein diese drei Beispiele spannen ein kunsthistorisches Bezugssystem, das von Monets Seerosenteich über Munchs Seelentopographien bis hin zu den abstrakten Farbräumen Rothkos reicht. Aber auch aktuelle Marktlieblinge wie Austin Lee dürften jenem einfallen, der dieser Tage das Terrain der Kunstmessen frequentiert. Ein anderer Trendsetter ist Florian Meisenberg, dem die Arbeiten Janika Kungls recht nahe kommen. Dekonstruktiv erfolgt der Umgang mit dem Medium durch David Richter, dessen Werke auf einer Abziehbild-Technik basieren, die den Eklektizismus postmoderner Malerei zur Methode macht.

Johann S indessen malt nonchalant auf Meterware vom Textilladen (das Etikett baumelt noch am Bildrand), während Alina Asalkhanova Eindrücke aus Computerspielen und Medienbildern zu autobiographischen Allegorien darüber verarbeitet, „how things play out in life“. Das Leben als Reise beschäftigt auch Dahae Seung, die den Mythos von Orpheus und Eurydike in ein VR-Spiel übersetzt hat. Hier und da stolpert man über Beiträge des Dous Koch & James, das seinen Platz im Museum per öffentlicher Ausschreibung teilen wollte. Eine „soziale Plastik“ – halb gescheitert an Protesten der Beteiligten, zum Provisorium ausgedünnt – und dabei doch ein Statement über institutionelle Rahmen und deren Grenzen, das besser gelungen ist, als Künstler und Kuratorium sich eingestehen. -kat

Top 0019 MeisterschülerInnen & die Sammlung der Städtischen Galerie Karlsruhe im Dialog: bis 22.9., Städtische Galerie Karlsruhe

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