Reformatoren im Bildnis

Kunst & Design // Artikel vom 11.09.2016

Kennen Sie Philipp Schwartzerdt?

Sicherlich – denn kein anderer als der Reformator Melanchthon verbirgt sich dahinter, der 1497 in Bretten geboren wurde und neben Luther wesentlich für die Verbreitung der neuen Lehre im 16. Jahrhundert verantwortlich war. Johannes Reuchlin verpasste ihm in einer Widmung die griechische Lesart seines Nachnamens, für dessen Wirkung waren aber die Buchdrucker und Maler zuständig.

Erstaunliches hat die nach dem Reformator benannte Europäische Melanchthon-Akademie in Bretten zutage gefördert: Die Bildnisse von Luther und Melanchthon, von Bugenhagen und Jonas – allesamt Wittenberg zugeordnet –, der süddeutschen Reformer Brenz und Bucer, aber auch die Portraits der Schweizer Reformatoren Zwingli, Calvin, Bullinger und Beza sind dem Wandel unterworfen. Der ist eben nicht nur stilistischen Veränderungen zuzuschreiben, sondern auch dem Umstand, dass (darin den Wandmalereien mittelalterlicher Kirchen vergleichbar, die oft als „Biblia Pauperum“ bezeichnet werden) bestimmte Eigenschaften vermittelt werden sollten.

Die Reformatorenbildnisse waren, so die These der Ausstellung, die mit umfangreichem Material belegt wird, zentrales Kommunikationsmittel, um die Inhalte der Reformation zu transportieren. Ausgehend vom reichen Bestand des Melanchthonhauses, das einen lückenlosen Querschnitt vom 16. bis 19. Jahrhundert ermöglicht, lassen sich die unterschiedlichen Ebenen der malerischen und zeichnerischen Überzeugungsarbeit nachvollziehen – die natürlich für die damals überwiegend nicht des Lesens mächtigen Menschen wichtige Hinweise gaben. Das konnte bereits eine hochgezogene Augenbraue, der Wulst über den Augen oder eine hohe Stirn sein.

Pünktlich zur Ausstellung sind auch zwei Bücher zum Thema erschienen, die sich mit „Humanismus und Reformation“ (herausgegeben von Günter Frank, Verlag Regionalkultur Ubstadt-Weiher 17,90 Euro) und mit „Europa reformata“, den Reformationsstädten und ihren Reformatoren (herausgegeben von Michael Welker u.a., Ev. Verlagsanstalt Leipzig 29,90 Euro) auseinandersetzen. Wem dies zu theoretisch ist: Am Tag des offenen Denkmals lädt die Buchdruckerzunft der Vereinigung Alt-Brettheim zu Vorführungen der „Schwarzen Kunst“ Gutenbergs und einem Mitmachprogramm ein. -ChG

bis 11.12., Melanchthonhaus Bretten; „Drucken wie zu Gutenbergs Zeiten“ am Tag des offenen Denkmals: 11.9., 11.30/15 Uhr, Eintritt frei

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