RIP: Martin Schulz-Kirchner

Kunst & Design // Artikel vom 24.09.2017

Ich lernte Martin Mitte der 70er in der später als Carambolage bekannten Kaiserstr. 21 kennen, wo ich jobbte.

Das war damals eine griechische Taverne, in der sich gerne auch die Künstlerboheme wegen der damals langen Öffnungszeiten bis 2 Uhr traf. Er studierte an der Karlsruher Kunstakademie und traf da auf seinen langjährigen Freund und Mentor Rainer Küchenmeister, der ihn, wie er betont, als „Kollegen und nicht als Studenten“ akzeptierte und zu ihm sagte: „Vergammle nicht an der Akademie, gehe raus in die Welt und schaue dich um“.

Er reiste viel, Holland, Frankreich, England – und blieb schließlich am Lago Maggiore hängen. Dort lebte und arbeitete er in einem kleinen Häuschen im Dorfkern von Cannero Riviera, das voller afrikanischer Skulpturen war. Der klassische, akademische Kunstbetrieb interessierte ihn eher wenig, dafür hatte er eine Vielzahl an Privatsammlern, die ihn unterstützten. Die Restaurants der Gegend waren kleine Ausstellungsräume seiner wunderbaren Bilder und Bildminiaturen – er liebte Stil und fast altmodische Eleganz, und er ging gerne gut Essen, so wurde eben in den Trattorias in Bildern bezahlt. Martin war ein begnadeter Beobachter und liebte die Tiere.

Aus Klecksen, Flecken, Punkten, Strichen und Gekritzel, gerne als Aquarell, Tusche oder in Wasserfarben lässt er seine Hommagen an (Perl)Hühner, Füchse, Hunde oder Giraffen entstehen, die teils aufgereiht wie Ballettfiguren in Bewegung sind. Unnachahmlich, wie er die Seele der Tiere zart aber dezidiert mit der malerischen Essenz eines dahingewischten Kleckses oder Fleckens transparent machte. Später wurde sein Werk zusehends abstrakter, es entstanden Skulpturen und Keramikarbeiten. Martin Schulz-Kirchner, geb. am 2.3.1955 in Neuwied, starb am 6.7.2017 am Lago Maggiore. Eine Seebestattung mit Begleitausstellung soll im September 2018 stattfinden. -rw

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