Rock Around The Clock

Kunst & Design // Artikel vom 29.05.2012

Die Songs von Elvis Presley untermalen das Gefühl einer Zeit, in der die Jungs auf Vespa-Rollern saßen, die Mädels Petticoats trugen und man anfing, diese Altersgruppe als Teenager zu bezeichnen.

Welche Musik damals „in“ war, welche Bands damit verbunden sind und welche lokalen Gruppen in der Region Erfolg hatten, davon erzählt die Ausstellung „When I was young“. Vom „Talentschuppen“ zum badischen Woodstock, dem Pfingst-Rock-Festival 1976, das 18.000 Besucher aufs Offenburger Messegelände zu Rockgrößen wie „Ten Years After“ und Bob Marley lockte, war es kleidungs-, einstellungs- und musikmäßig ein beachtlicher Weg, den die Jugend damals – sehr zum Entsetzen des Establishments – zurücklegte.

Sex, Drugs and Rock’n’Roll wurden nicht nur in den Songs der Zeit besungen, das Stück Ian Durys zeugt auch vom Lebensgefühl dieser Zeit. Von den noch eher braven 50ern über die wilden 60er zu den legendären 70ern spannt die Ausstellung den Bogen am Beispiel von zahlreichen Songs, aber auch von Flugblättern, Plakaten und Erinnerungsstücken. Nacherleben lässt sich das Feeling der Zeit sicher auch beim Fläzen auf einer Matratze: Die Offenburger Musikgruppe „Golgatha“ hatte in der Ziboldschen Mühle ihren Probenraum und wer nicht selbst spielte, räkelte sich zu ihren Gitarrenriffs damals (fast) auf dem Boden. Pünktlich zum Museumstag am 20.5. gibt’s übrigens mit dem neuen Audioguide auch was auf die Ohren…

Auf die jüngere Stadtgeschichte legt seit Dezember die neue Dauerausstellung ihren Fokus: „Zwischen Revolution und Wirtschaftswunder“ beleuchtet den Wandel einer Stadt vom beschaulichen Örtchen auf seinem Weg in die Gegenwartsmoderne. Die Industrialisierung, zwei Revolutionen, drei Kriege, Aus- und Einwanderungen haben in den 170 Jahren, auf welche die Ausstellung fokussiert, das Aussehen der Stadt nachhaltig verändert. Industrieansiedelungen, neue Wohnviertel, Eisenbahnanschluss und Autobahn zeugen vom steten Wachstum Offenburgs. Eisenbahnfreude aufgepasst: Hier ist u.a. der größte Modellbahnhof Deutschlands zu sehen. Um ihn kann der Besucher Modellzüge in historischer Kulisse fahren lassen, die an die Zeit als Eisenbahnerstadt erinnert.

Das Diorama zum Heckeraufstand ist nur eine Möglichkeit, die 48er Revolution nachzuerleben, Glas- und Emailleplakate zeugen dagegen von einem der Fertigungszweige der Offenburger Industrie. Historische Wahlplakate, aber auch Kuriositäten, Hörstationen und Filmsequenzen lenken den Blick auf Westwall, Nationalsozialismus, den demokratischen Neuanfang und die ersten Gastarbeiter, die im Gefolge des Wirtschaftswunders auch nach Offenburg gekommen sind. -ChG

When I Was Young: bis 16.9., beide Ausstellungen im Museum im Ritterhaus, Offenburg

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