Sound Art. Klang als Medium der Kunst

Kunst & Design // Artikel vom 14.03.2012

Klang als Medium der (Bau-)Kunst hat eine lange Tradition.

Schon von diversen Maya- und Inka-Tempeln ist bekannt, dass sie mit Klang als Material spielen: Klatscht man an einer bestimmten Stelle vor einem 1.100 Jahre alten Tempel in die Hände, erklingt die Stimme eines einheimischen Vogels – die Architektur dient gleichsam als gigantischer Lautsprecher.

Auch die moderne Kunst begann mit einem bis dahin unbekannten Ton. 1907 hatte Ferruccio Busoni seine Schrift „Entwurf einer neuen Ästhetik der Tonkunst“ publiziert, der futuristische Maler und Komponist Luigi Russolo ließ 1913 das musikalische Manifest „L’arte dei rumori“ folgen, es war die Kunst der Geräusche, die er in den Großstädten entdeckte.

Heute sieht man die seit den 50ern und 60ern durch die Musique Concrète salonfähig gewordene Ton- und Geräuschkunst als Vorläufer des Sampling. Die Happening- und Fluxus-Bewegung von Yoko Ono bis La Monte Young zerdehnte den performativen Aspekt der Musik weiter, der Zufall oder das seit John Cages „Silence“ von 1961 berühmte Schweigen ersetzte Komponisten und Musiker. Vinylkünstler Christian Marclay gewann 50 Jahre später den Goldenen Löwen der Biennale von Venedig. Heute bildet die Klangkunst, die perzeptive Vernetzung von Sehen und Hören, die Artikulation von Stille und Raum, die Skulpturalität des Klangs, eine eigenständige Kunstform.

Die Ausstellung „Sound Art. Klang als Medium der Kunst“ widmet sich enzyklopädisch und sehr zugänglich der Klangkunst des 20. Jahrhunderts. Eine eigene Ausstellungsarchitektur wird die Klangwelt der Werke von 70 lebenden Klangkünstlerinnen und Künstlern – darunter 30 Neuproduktionen – visualisieren, und die Besucher können selbst zu Klangerzeugern werden. Hinzu kommen drei Installationen auf dem Vorplatz des ZKM und fünf im öffentlichen Raum der Stadt. Plus – siehe La Monte Young – ein exqusites Konzertprogramm.

Wer sich ganz tief eingraben will: Erstmals in Karlsruhe werden Archive wie die „ungehörte Avantgarde“ aus Skandinavien, das Broken Music Archiv aus Berlin und kuratierte Hörstationen aus europäischen Archivbeständen präsentiert. Zur Ausstellung wird ein Katalog erscheinen. -rw

Eröffnung: Fr, 16.3., 19 Uhr, ZKM Foyer, ab 22 Uhr Lange Nacht der Sound Art mit Performances und Sounds, Ausstellung bis 6.1.2013, ZKM-Medienmuseum, Karlsruhe

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