Spektrum Videokunst

Kunst & Design // Artikel vom 13.03.2013

Video assoziiert Bewegung.

Doch die Skulptur des Bildhauers Georg Kolbe ruht stoisch in sich selbst. Was den Anschein einer Fotoprojektion erweckt, ist tatsächlich gefilmt. Muss, sonst wäre Tilo Schwarz’ Arbeit auch fehl am Platz in der Gruppenausstellung „Spektrum Videokunst“, mit der die Mannheimer Stadtgalerie und der das „B-Seite“-Festival ausrichtende Verein für visuelle Kunst und Jetztkultur ihre Bestandsaufnahme von Videokünstlern im Großraum Mannheim-Ludwigshafen gestartet haben.

Wer für die erste Station des Rundgangs genug Geduld mitbringt, kann feststellen, dass vorbeiziehende Wolken das Motiv der überlebensgroßen Schulterpartie minimal variieren. Gestört wird die meditative Ruhe alle paar Minuten durch einen metallisch hallenden Knall. Während „Kolbe“ jedweden Spannungsaufbau verweigert, spielt Fritz Stiers „Bodhi“ am anderen Ende der Galerie geradezu damit: Zwei Pistolen, zwei Köpfe – Suizid oder Hinrichtung? Als sich endlich ein Schuss löst, sind die Personen lediglich aufgeschreckt, lachen teils erleichtert.

Gleich daneben droht eine hologrammartige Frau vom aus der Wand ragenden Marien-Sockel zu stürzen; auf sechs Schaumplatten projiziert Ruth Hutters „Bodything 4“ die fragmentierten Beine einer Frau im unnatürlichen Spagat, der ihre Scham lediglich andeutet, während Eric Carstensen und Michael Volkmer mit dem „Akt, eine Treppe herabsteigend Nr. 2“ eines der Schlüsselwerke des 20. Jahrhunderts zitieren.

Zwischen Duchamp-Hommage und freundlicher Parodie bewegt sich ihre Rolltreppe, die erst dann als solche erkennbar wird, als die nur von Unschärfe verhüllte Frau durchs Bild fährt. Das Superart.tv-„Paar“ spielt außerdem auf zwei Monitore verteilt selbstsynchronisierte Szenen aus Filmen wie „Pulp Fiction“ oder „Das Boot“ nach. Mira Bussemer („Die Ansprüche steigen“) filmt aus dem verdreckten Fenster eines fahrenden Zuges und verdeckt dabei den wesentlichen Bildausschnitt mit einem Blatt Papier; Ana Laibach („Frieden sichern, Matrose K.O“ und „Hermann, hör jetzt auf mit dem Quatsch“) sorgt für den Trash-Faktor und Sue Mandewirths psychedelischer Trickfilm „Die Elows“ zieht hinüber ins Kabinett, wo die Gewinnerfilme des „Visual Music Awards“ mit den Grenzgängern zwischen etablierter Videokunst und VJing das Spektrum vervollständigen. -pat

bis 31.3., Do-So, 12-18 Uhr, Eintritt frei, Führung: Sa, 23.3.,15 Uhr, Tel.: 0621/97 60 57 60, Stadtgalerie Mannheim
www.stadtgalerie-mannheim.de
www.jetztkultur.de

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