Trauer um Eberhard Garnatz

Kunst & Design // Artikel vom 19.12.2020

Nur wenige Monate nach dem Tod seiner Frau Ute Garnatz im August 2020 ist der bekannte Kunstsammler Eberhard Garnatz am 12.12. im Alter von 86 Jahren gestorben.

Der Kölner Jurist, lange Jahre Hauptgeschäftsführer der dortigen Industrie- und Handelskammer, begann gemeinsam mit seiner Frau Mitte der 1970er Jahre mit dem Aufbau seiner privaten Kunstsammlung. Das Fundament dazu legte ein Gemälde von Markus Lüpertz, erworben in einer Kölner Galerie. Mit sicherem Gespür für Qualität und einer gehörigen Portion Sammelleidenschaft bauten Eberhard und Ute Garnatz ihre Kollektion in den Folgejahren auf und erweiterten sie kontinuierlich um Spitzenwerke der zeitgenössischen deutschen Kunst.

Die etwa 700 Kunstwerke umfassende Sammlung, die zu den bedeutendsten Privatsammlungen deutscher Gegenwartskunst weltweit zählt, kam 1996 – also vor fast einem Vierteljahrhundert – als Dauerleihgabe in die Städtische Galerie Karlsruhe: ein ausgesprochener Glücksfall für das kommunale Kunstmuseum, dessen überregionales Profil der Sammlung Garnatz viel verdankt.

Das Hauptgewicht der Kollektion liegt auf Malerei, umfasst aber auch Plastiken, Objekte, Papierarbeiten und Fotografien. Im Rückblick betrachtet könnte man fast sagen Ute und Eberhard Garnatz hätten speziell für die Städtische Galerie Karlsruhe gesammelt, deren eigener Schwerpunkt ebenfalls die deutsche Kunst nach 1945 ist. Zahlreich vertreten sind Künstler, die der Karlsruher Kunstakademie und der Hochschule für Gestaltung besonders verbunden waren wie Georg Baselitz, Per Kirkeby, Meuser, Günther Förg, Candida Höfer oder Thomas Struth.

Einen weiteren Akzent bildet die rheinische Kunstszene, mit der das Ehepaar vielfältige und enge Kontakte pflegte. Das schnelle Schnäppchen oder das einmalige Belegstück war nie die Sache der Kölner Kunstliebhaber; ihnen ging es vielmehr immer um die kontinuierliche Begleitung eines Künstlers oder einer Künstlerin und um die Dokumentation ihrer individuellen Entwicklung, die anhand eines Werkkomplexes aufgezeigt werden kann.

So erweitern die im internationalen Leihverkehr viel gefragten Werke der Sammlung Garnatz nicht nur die Dauerpräsentation des Museums um signifikante Positionen, es wurden auch etliche Sonderausstellungen realisiert, die aus dem reichen Bestand der Kollektion entwickelt werden konnten. Darüber hinaus hat das Ehepaar Garnatz der Stadt Karlsruhe auf großzügigste Weise mehrfach herausragende Kunstwerke geschenkt, u. a. Arbeiten von Günther Förg, Meuser oder Jörg Immendorff.

In Köln, wo das Sammlerpaar viele Jahrzehnte intensiv am Kunstleben beteiligt war, wurde kürzlich eine Präsentation eingerichtet, die einen umfangreichen Teil der Privatsammlung zeigt. Sie konnte aufgrund der Corona-Pandemie allerdings bislang nicht eröffnet werden. „Von Becher bis Blume – Photographien aus der Sammlung Garnatz und der photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur im Dialog“ lautet der Titel dieser Ausstellung mit bedeutenden Werken der Fotokunst seit den 1980ern. Sicher hätten Eberhard und Ute Garnatz, denen es immer eine Herzensangelegenheit war, ihre Kunstbegeisterung mit anderen selbstlos zu teilen, daran ihre Freude gehabt. -ps

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