UND #7

Kunst & Design // Artikel vom 06.03.2012

Viele Bewerbungen im verflixten siebten Jahr.

Nachdem im vergangenen Jahr das parallel zur „art Karlsruhe“ stattfindende Non-Profit-Event fast abgeblasen worden wäre wegen extrem geringer Bewerbungseingänge, freuen sich die Organisatoren in diesem Jahr über so viel Interesse wie noch nie. Nach wie vor ist es das Alleinstellungsmerkmal der Kunstplattform UND, dass sich ausschließlich Kunstinitiativen bewerben können. Allerdings betonen die Organisatoren, dass sie mit dem jetzt gefundenen Konzept noch viel mehr Offspace- und Nonprofit-Galerien ansprechen.

„Am Tag auf die art und bei Nacht zur UND, das ist unsere Idee. Gleichzeitig wollen wir wegkommen vom Charakter einer Kunstmesse und hin zum Ausstellungs-Ambiente“, so Florian Adler, einer der UND-Organisatoren. Folgerichtig haben sie eine fünfköpfige, hochkarätig besetzte Jury berufen. Laurence Rickels, Professor an der Kunstakademie Karlsruhe, führt nicht nur den Vorsitz, er wird die UND auch kuratieren.

Andrea Buddensieg vom ZKM, Roos Gortzak von der Kunsthalle Basel, die Künstlerin Schirin Kretschmann sowie das Kuratorenteam Martin Heus und Jacob Birken vom Kunstraum Morgenstraße garantieren mit ihren jeweiligen Arbeitsfeldern, Interessensgebieten und Ausrichtungen, dass eine spannende Mischung ganz aktueller Kunst in einem kuratorischen Gesamtkonzept präsentiert wird.

Die daraus entstehende Ausstellung tritt mit dem Anspruch an, die Lebendigkeit des künstlerischen Schaffens innerhalb von Kunstinitiativen in ihrer ganzen Bandbreite zu zeigen. Das Vorbild der „Liste“, die seit 1996 parallel zur Art Basel stattfindet, ist durchaus präsent: Wie die „Liste“ hat sich auch die UND zum Ziel gesetzt, jene Galerien, Offspaces und Künstler zu präsentieren, die aufgrund des kommerziellen Charakters, den Kunstmessen allgemein haben, dort wenig Chancen auf eine eigene Koje haben. Junge, unverbrauchte Kunst soll deshalb auf der UND präsentiert werden, die noch nicht etabliert ist – oder gar kein Interesse an einer Etablierung hat. Prozessuale Kunst mit performativem Charakter in der Tradition der 70er Jahre und Kunstexperimente wird es ebenfalls zu sehen geben.

Spannend ist deshalb auch, dass sich einige Kunstinitiativen mit eigens für die UND entwickelten Projekten bewerben, die zum Teil zusätzlich mit dem Ort in Dialog treten wollen. Die Idee, der „Kunst mehr Raum zum Atmen“ zu geben (so die Mitorganisatorin Beate Körner) durch die gezielte Auswahl an Künstlern aus den jeweiligen Initiativen, scheint ganz offensichtlich auf Anklang gestoßen zu sein.

In Zusammenhang mit der erstmals erfolgenden Kuratierung sollen dann auch Bezüge zwischen den einzelnen Künstlern und Initiativen geschaffen werden. Denn auch wenn ein Großteil der Arbeiten käuflich sind – den UND-Machern ist der Aspekt des gegenseitigen Kennenlernens auch über Ländergrenzen hinweg ein besonderes Anliegen. Etwa ein Viertel der Bewerbungen kommt übrigens aus dem Ausland, ein Viertel aus Deutschland und die Hälfte aus Karlsruhe und der Region. Damit steht die UND, was ihre Internationalität betrifft, hinter der art Karlsruhe nicht zurück.

Wie bereits in den letzten Jahren steht außerdem der Gedanke im Vordergrund, die Kunstinitiativen – auch international – zu vernetzen. Deshalb gibt es in diesem Jahr erstmals das UNDforum in der ehemaligen Großmarkthalle, auf dem sich die Initiativen selbst vorstellen, das Ort der Begegnung und des Austauschs sein soll. Die Arbeit der Verbände, Gruppen und Projekträume wird gezeigt, gleichzeitig soll ein offener Diskurs sowohl zwischen den Teilnehmern als auch mit den Besuchern ermöglicht werden.

Dass diese Idee auf Anklang stößt, betont Florian Adler: „Viele der Kunstinitiativen haben sich bereiterklärt, am Forum teilzunehmen. Und einige haben sich sogar ausschließlich dafür beworben, weil sie diese Art der Präsentation und die Kontaktmöglichkeiten, die sich ergeben können, sehr spannend finden.“ Toll ist natürlich das große Platzangebot, das – man muss ja fast sagen: momentan noch – auf dem alten Schlachthof-Areal vorhanden ist. So können parallel zum permanent während der UND-Öffnungszeiten geöffneten UNDforum Veranstaltungen in der Fleischmarkthalle stattfinden, während die Kunst selbst auf Großmarkthalle und Kühlhaus verteilt ist. -ChG

Eröffnung: Di, 6.3., 19 Uhr, 7.-11.3., 14-22 Uhr, Alter Schlachthof, Karlsruhe, Eintritt: fünf Euro/drei Euro (erm.), Wochenkarte acht Euro
www.und7.de
Das UND #7-Rahmenprogramm

Zurück

Einen Kommentar schreiben

WEITERE KUNST & DESIGN-ARTIKEL



Kunst & Design // Tagestipp vom 28.06.2019

Der De-Konstruktion vertrauter und fremder Realitäten widmet sich die Ausstellung in der Galerie Klinger & Me.





Kunst & Design // Tagestipp vom 28.06.2019

Der Karlsruher Fotograf Jens Steffen Galster hat Bilder aus seinen Werkserien „Clouds“, „Water“ und „Sehnsucht“, die seit 2011 auf Reisen in Europa und den USA entstanden, neu kompiliert, wobei der Titel der Ausstellung Programm ist.





Kunst & Design // Tagestipp vom 28.06.2019

Der Karlsruher Bezirksverein Bildender Künstler (BBK) wurde vor fast 150 Jahren von Kunststudenten, Professoren und Architekten gegründet.





Kunst & Design // Tagestipp vom 28.06.2019

Das Projekt „Three Rooms“ fördert den künstlerischen Austausch zwischen Deutschland, Südkorea und China und ermöglicht drei jungen Medienkünstlern aus diesen Ländern eine große museale Plattform.





Kunst & Design // Tagestipp vom 27.06.2019

Im Rahmen der bisherigen Ausgaben des UND-Festivals für Kunstinitiativen aus Karlsruhe und Gäste konnte nur eine Auswahl der Arbeiten der in Karlsruhe ansässigen Projekträume und Initiativen vorstellig werden.





Kunst & Design // Tagestipp vom 27.06.2019

Eine überdimensionale Brosche mit politischer Botschaft, 3D-gedruckte Kleidung und Objekte, die sich aus den Beobachtungen der Umgebung ableiten.





Kunst & Design // Tagestipp vom 23.06.2019

2011 gab es in Karlsruhe kaum gute unabhängige Ausstellungsmöglichkeiten für Nachwuchskünstler und die Motivation war daher groß, etwas Eigenständiges auf die Beine zu stellen.





Kunst & Design // Tagestipp vom 16.06.2019

Das Pfinzgaumuseum widmet sich dem Karlsruher Hausberg in seiner Ausstellung „Durlach: Der Turmberg ruft“, die den Bogen von dessen Entdeckung als Ausflugsziel, seiner Erschließung durch den Bau von Gaststätten und der Turmbergbahn 1888 bis hin zur heutigen Nutzung spannt.





Kunst & Design // Tagestipp vom 14.06.2019

Was als Leitmotiv ein wenig prätentiös daherkommt und in seinem Satzbau an Filmtitel des deutschen Autorenfilms der 70er denken lässt, ist genau so gewollt.