UND #9

Kunst & Design // Artikel vom 20.07.2017

Joachim Hirling

Nach dem verflixten siebten Jahr war erstmal Schluss.

Seit 2015 aber bietet die „UND“ Karlsruher wie auch internationalen Kunstinitiativen wieder eine Plattform. INKA-Redakteur Patrick Wurster sprach mit UND-Gründungs- und Vorstandsmitglied Joachim Hirling über die neunte Ausgabe und die Zukunftsperspektive der von Do-So, 20.-23.7. zum letzten Mal in der Dragonerkaserne unterkommenden Sub-Kunst-Messe.

INKA: Welche Neuerungen gibt es nach dem Reboot in diesem Jahr?
Joachim Hirling: Neu für das Publikum sind die eintrittsfreien Zeitfenster: Nach der Vernissage am Donnerstag mit vier Euro Unkostenbeitrag ist am Freitag und Samstag von 16 bis 20 Uhr sowie am Sonntag von 13 bis 20 Uhr der Eintritt frei. Erst ab 20 Uhr wird wiederum ein Unkostenbeitrag von vier Euro fällig, wenn das bis 3.30 Uhr laufende musikalische Begleitprogramm startet. Und für die ausstellenden Künstler haben wir den Initiativen-Begriff weiter geöffnet: Bei den ersten UND-Ausgaben war es noch wesentlich, dass nur mehrjährig bestehende Independent-Spaces teilnehmen konnten. Inzwischen ist aber immer häufiger zu beobachten, dass Künstlergruppierungen sich spontan und nur kurzfristig zusammenschließen, um ein einzelnes Projekt oder eine kurze Reihe von Projekten zu realisieren und – analog zur UND-Plattform selbst – ohne über einen permanenten Raum zu verfügen. So waren diesmal in der Ausschreibung auch Duos zugelassen und gut die Hälfte der Bewerbungen bestand aus Zweier-Gruppierungen. Außerdem gibt es erstmals einen offiziellen Untertitel: „If 6 Was 9 / Summer Of 2017“. Mit dem Hendrix-Zitat wollen wir deutlich machen, wie wichtig es ist, immer wieder seinen Blickwinkel auf die Kunst und das Leben infrage zu stellen und neue Perspektiven einzunehmen.

INKA: Apropos Titel: Der Name deutet an, dass ihr ursprünglich eine Ergänzung zur großen „art Karlsruhe“ gewesen seid. Ist die mit der UND #8 vorgenommene Entkopplung eher ein Vor- oder ein Nachteil und was versprecht ihr euch durch die Ansetzung im Sommer parallel zum „Fest“?
Hirling: Auch wenn die UND #8 mit gut 2.000 Besuchern etwas weniger frequentiert war als die UND-Ausgaben in der Nancyhalle, wo wir auf bis zu 3.500 Gäste gekommen sind, hat uns dieser Publikumszuspruch ermutigt, die Entkopplung beizubehalten. Der unschöne Umstand, in oftmals unbeheizbaren Räumen ausstellen zu müssen, begleitet die UND von Anfang an – nicht zuletzt, weil die „art“ im Februar oder März stattfindet, und auch bei der UND #8 im Oktober 2015 war es bereits recht kühl... Eine Verlegung in den Sommer bringt natürlich weitaus angenehmere Temperaturen mit sich. Dass die UND #9 nun gerade während dem „Fest“ stattfindet, ist vor allem der letztmaligen Verfügbarkeit der Dragonerkaserne geschuldet, die bekanntlich für das Badische Konservatorium umgebaut wird. Eine Woche früher wären wir mit der Sommerausstellung der Kunstakademie kollidiert, eine Woche später läge zu weit in der Ferienzeit. Daher nehmen wir den Termin parallel zum „Fest“ eher als Chance wahr, ein größeres kulturaffines Publikum anzusprechen, von dem sich der eine oder andere vielleicht ja auch für die Bildende Kunst interessieren lässt. Von der Günther-Klotz-Anlage zur Dragonerkaserne sind es lediglich zwei Kilometer und die UND #9 bleibt bis weit in die Nacht hinein geöffnet, wenn das Programm auf den „Fest“-Bühnen längst beendet ist.

INKA: Was sind die Schwerpunkte in kuratorischer Hinsicht? Wird alles immer noch performativer?
Hirling: Ein eindeutiger Schwerpunkt lässt sich nicht feststellen. Die Bewerbungen spiegeln vielmehr die ganze Bandbreite an Ausdrucksmöglichkeiten wider – angefangen bei Malerei, Skulptur und Grafik über Fotografie, Video, am PC erstellte Arbeiten und Installationen bis hin zu Performances, die in der Tat zunehmen. Wobei wir auch viel Spartenübergreifendes aufgenommen haben, denn etliche Künstler arbeiten eben nicht mehr nur in einem Medium.

INKA: Woher kommen die Initiativen?
Hirling: In der Mehrzahl sind es Künstler und Initiativen aus Karlsruhe – worin aber dennoch eine Vielzahl an Herkunftsorten aus fast allen Kontinenten zum Ausdruck kommt. Und das zeigt auf sehr schöne Weise, wie interessant Karlsruhe weltweit für Künstler geworden ist! Es sind aber auch einige Weithergereiste dabei, etwa Initiativen aus Halle, Leipzig und Berlin, aus Polen, Bulgarien, Japan und Russland. Exemplarisch ist das in Moskau lebende Künstlerduo Marika & Leopard / Chaos Sense Delight zu nennen, die gerade erst in der Poly Produzentengalerie ausgestellt haben und bei der UND #9 die raum- und medienübergreifende Installation „Now“ inklusive Performance zeigen.

INKA: Nach Supermarkt, Autohaus, Nancyhalle und Schlachthof steht euch auch die Dragonerkaserne nächstes Jahr nicht mehr zur Verfügung – wie ist es um die Jubiläumsausgabe #10 bestellt?
Hirling: Wir planen wie schon in der Vergangenheit ergebnisoffen von Ausgabe zu Ausgabe. Erste Voraussetzung ist, wieder eine Kerngruppe von fünf bis zehn Personen zusammenzubekommen plus viele weitere Helfer, die diese zeitaufwendige Arbeit ehrenamtlich übernehmen möchten. Dann benötigen wir einen neuen, besucherfreundlich gelegenen Veranstaltungsort in der Größe von 1.000 bis 2.000 Quadratmetern. Wir haben auch schon angedacht, eine eher nomadische UND-Ausgabe mit Zelten, Containern und Wagen zu veranstalten. Und nicht zuletzt braucht es natürlich ein Publikum, das Independent-Kunst goutiert, aber wir sind grundsätzlich optimistisch, dass es die UND #10 geben wird.

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