Vom Tutu befreit: Edgar Degas

Kunst & Design // Artikel vom 08.11.2014

Wer Degas sagt, denkt zumeist an dessen Balletttänzerinnen – das, so der Kurator Dr. Alexander Eiling, ist aber maximal die halbe Wahrheit.

Degas war ein pedantischer Kopist, von seinen Anfängen bis ins hohe Alter. Dabei entwickelte er aus der (zugegeben: frei aufgefassten) Kopie heraus eigene Motive. So taucht der dralle Hintern, den er in einer versteckten Pose von Michelangelos „Jüngstem Gericht“ in der Sixtina entdeckte, bei seinen „Badenden“ wieder auf – dann allerdings befreit vom christlichen Impetus. Es ist diese „stete Rückversicherung bei den Alten Meistern“, die das Rückgrat für das Verständnis von Degas liefert, für den Kopieren auch das stete Ergründen von Komposition und Technik seiner Epigonen hieß.

So ist die Wahrnehmung von Degas, das Leichte und die Luftigkeit, mitnichten rasch auf die Leinwand gebannt, sondern ein kalkulierter Prozess, dem zahlreiche Vorzeichnungen vorangingen, bis die Atelierkomposition entstand. Damit unterscheidet sich Degas von den Impressionisten, mit denen er zumeist in einem Atemzug genannt wird und deren Ausstellungen er auch lange organisierte.

Ein Missverständnis, das die Kunsthalle mit der Ausstellung „Degas. Klassik und Experiment“ und rund 140 Kunstwerken, die zum Teil noch nie gezeigt worden sind, auflöst. Und dabei Degas unter anderem als Erneuerer der Historienmalerei vorstellt, als einen Maler, der einen guten Riecher für zeitgenössische Themen hatte. -ChG

Eröffnung: Sa, 8.11., 11 Uhr, bis 1.2.2015; erweiterte ÖZ: Do bis 21 Uhr, Kunsthalle Karlsruhe

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