Von Gartenzwergen, Masken und blau glasierten Vasen

Kunst & Design // Artikel vom 11.07.2013

Was so „typisch deutsch“ ist, hat häufig seine Wurzeln an ganz anderem Ort.

Das macht die neue Dauerausstellung „Weltkultur“ auf eindrückliche Weise deutlich: Von den Heiligen Drei Königen zieht sich ein Entwicklungsstrang einmal zu Kasperle und dann zum Gartenzwerg. Und Kasperle selbst ist eine Verballhornung des „Schatzträgers“, wie Kasper wörtlich übersetzt heißt – was aber letztlich zeigt, dass das Bild, das wir selbst, aber auch andere von uns haben, von zahlreichen Einflüssen geprägt ist, die sich kaleidoskopartig zusammensetzen aus vielen unterschiedlichen Facetten.

Klar ist natürlich auch, dass verschiedene Phänomene gleichzeitig in verschiedenen Kulturen auftreten können, so wie z.B. Masken und Amulette als Glücksbringer, aber auch zum Vertreiben böser Geister Verwendung fanden. Ein Geschichtsverständnis, das davon ausgeht, dass es eine Weltkultur gibt, die an unterschiedlichen Orten unterschiedliche Ausprägungen haben kann, dass „die Welt“ sich immer wieder unablässig gegenseitig beeinflusst, ist nicht als lineare Abfolge darzustellen.

So greift die Kuratorin zwar tief in den Schatz der außereuropäischen Sammlung, die schon lange zum (bisher nie gezeigten) Bestand des Landesmuseums gehörte, aber es gibt keinen Anfang und kein Ende, sondern nur zahlreiche Rückgriffe auf die Vergangenheit und Ausblicke in die Zukunft. Ob am Beispiel von Herrscherbildnissen oder der islamistischen Umdeutung der Pietà im Islam: Eindrücklich ist, wie europäische Bilder und Bildvorstellungen von Asien oder dem Fernen Osten übernommen werden und dabei eine andere Bedeutung erhalten – und umgekehrt.

Was ist Vorbild und was Nachahmung? Die Frage ist nicht leicht zu klären. Es ist eine innovative Ausstellung, die jetzt der Frage nach dem Verständnis von Kultur nachspürt, indem sie völkerkundliche Exponate gleichberechtigt neben Kunstwerke treten lässt. Wer sich faszinieren ließ von den zahlreichen Anregungen, erfährt zuletzt noch ausblickshaft einiges über ausgewählte Menschen mit „Migrationshintergrund“, die – wie beispielsweise Peter Weibel – in Karlsruhe leben und die gar nicht zum üblichen Bild des Einwanderers passen. Eine „Wanderkarte“ durchs Haus ermöglicht außerdem, den Anregungen, die die Ausstellung gibt, in den übrigen Schausammlungen weiter nachzuspüren – das Museum als Entdeckungsreise. Vielleicht kommen wir ja zu Anfang des neuen Jahrtausends wieder zurück zur Wunderkammer. Staunen inklusive! -ChG

Badisches Landesmuseum, Karlsruhe

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