Was macht der Gorilla im Museum?

Kunst & Design // Artikel vom 06.03.2013

Zwei große Skulpturengruppen sind derzeit im Badischen Kunstverein zu sehen.

Da räkelt sich Dian Fossey die Kontaktaufnahme vorbereitend neben einem entspannt auf dem Rücken liegenden Primaten – wie’s scheint argwöhnisch beäugt von Adolf Hitler. Dafür hat Jürgen Drescher eine jener Besucherbänke aus dem Münchner Haus der Kunst zusammen mit zwei weiteren Protagonisten der Nazi-Staatskunst nach Karlsruhe transferiert. Ein Denkmal? Wohl kaum. Viel eher ein nachdenklich stimmendes Ensemble, das Dreschers Hinterfragen scheinbarer Realitäten verdeutlicht. Dabei steht der Gorilla für jene Natur, die wir durch unser „Schneller, Größer, Mehr“ zerstören. Das belegt auch die Bleistiftzeichnung, auf der er lapidar die Bevölkerungsexplosion gutheißt, um mehr CDs verkaufen zu können.

Wir sollen hinterfragen, sollen – und das ist das Politische seiner Kunst – kritisch mit den uns vorgesetzten Informationen umgehen. Daraus wird dann politisch Unkorrektes, ein subversives Angehen gegen das, was wir als normal hinnehmen. Dazu passt, dass Hitler eben nicht in Stein gemeißelt ist, sondern die ganze Gruppe in Styropor gearbeitet wurde. Dass Drescher mit Materialität spielt, wird auch bei dem auf dem Boden provokativ geknüllten Laken deutlich. Aber die Weichheit ist nur vorgetäuscht, denn es handelt sich um einen Aluguss, der Zudecken unmöglich macht. Aber wollte man das wirklich im Museum? „Dig It“ heißt die Ausstellung – ergrab es dir. Digit war aber auch der Name, den Fossey dem bekanntesten ihrer Berggorillas gab. Mehrdeutigkeit ist hier künstlerisches Prinzip! -ChG

bis 1.4., Badischer Kunstverein, Karlsruhe

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