Wilderich-Woche

Kunst & Design // Artikel vom 18.04.2010

Die Barockstadt poliert ihr glanzvolles Zeitalter auf.

Und zum Vorschein kommt Philipp Franz Nepomuk Wilderich von Walderdorff, letzter der insgesamt vier Speyerer Fürstbischöfe von Bruchsal. Am 21. April 1810 starb „der Unglückliche“, wie er sich selbst im Testament betitelte. Ihn, die Säkularisation und damit das Ende der geistlichen Herrschaft stellen die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg (SSG) zusammen mit der Stadt an den Anfang ihrer Jahresprogramme, die sich in den kommenden Monaten intensiv mit der fürstbischöflichen Residenz Bruchsal beschäftigen. Der vorweggenommene Höhepunkt dieses „Bischofs-Jahres“ ist die „Wilderich-Woche“.

Eröffnet wird sie mit einem Festgottesdienst zum 200. Todestag des Fürstbischofs von Walderdorff in der katholischen Pfarrkirche St. Peter (So, 18.4., 10.15 Uhr), wo Wilderich neben seinen Vorgängern in der Gruft begraben liegt. Von Di, 20.4. bis zum 15.8. erinnert unter anderem eine Sonderschau im Fürstensaal mit persönlichen Stücken aus dem Familienbesitz der Grafen an den „Letzten Fürstbischof“. Und wer mit dem Gedachten namensverwandt ist, Philipp, Franz oder Nepomuk heißt, dem öffnen sich die Schlosstore umsonst. Wilderiche bekommen sogar eine Schlosscard geschenkt, die zum einmaligen Gratisbesuch aller 22 Kulturdenkmäler des Landes berechtigt.

Gelegenheiten werden in Bruchsal im Jahresverlauf genügend geboten: Während sich die Staatlichen Schlösser & Gärten mit ihren Sonderführungen zu Leben und Wirken der Fürstbischöfe vor allem auf deren barocken Stammsitz konzentrieren, präsentiert sich das städtische Programm mit einem Zitat des Schlossbauherrn Damian Hugo von Schönborn, dem ersten Speyerer Fürstbischof zu Bruchsal, und an die 40 Veranstaltungen rund um den „Ort, wo meine Residenz hinkommt...“.

So berichten am Di, 20.4., 19.30 Uhr der Speyerer Bistumsarchivar Hans Ammerich und Historiker Markus Lamm im Marmorsaal des Bruchsaler Schlosses in parallelen Referaten unter dem Titel „Abenddämmerung der Reichskirche“ über die kurze Regierungszeit des Fürstbischofs Franz Philipp Wilderich von Walderdorff und seine Epoche: Mit Walderdorff findet 1803 nach weit über 1000 Jahren die weltliche Herrschaft der Bischöfe von Speyer ihr Ende, das Land geht im neuen Großherzogtum Baden auf, Bruchsals glanzvolle Epoche als Residenzstadt der geistlichen Fürsten ist beendet.

Eine Dialogführung in Kostümen der Zeit lässt vier Untertanen zu Wort kommen, darunter eine Puppenspielerin und der letzte Sekretär des Bischofs (Do, 22.4., 19 Uhr). Kinder können sich am Sa, 24.4., 14.30-16.30 Uhr, ein Bild des letzten Fürstbischofs machen: erst in einer Führung, dann in der Malwerkstatt. Und auch ein Erlebnisnachmittag am So, 25.4. ab 13 Uhr zeichnet ein Bild der Zeit um 1810 – mit Kurzführungen, Tänzen und „Zeitzeugen“. -pat

18.-25.4., Schloss Bruchsal
www.schloss-bruchsal.de

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