Willi Siber in der Galerie Schrade

Kunst & Design // Artikel vom 21.02.2012

Kryptisch geht es bei Willi Siber zu, nicht nur in seinen widersinnig klingenden Ausstellungstiteln, die „Morgen war“, „Farbe fassen“ oder eben „Seit morgen“ lauten.

Seine Arbeiten führen ebenfalls zu „konstantem Augenwiderhaken“, wie der Vorsitzende des Reutlinger Kunstvereins, Clemens Otnand meint, weil er beständig die Grenzbereiche des Materials Holz – und seit Kurzem auch von Stahl – auslotet.

Siber sägt, zersplittert, bohrt, spaltet Holz, behandelt es mit Harzen, Lacken und Kunststoffen und schafft auf diese Weise Objekte, die gleichzeitig schwer und doch leicht zu sein scheinen. Verfremdung, Illusion und Gegensätzlichkeit sind Attribute, die bei seinen einfallsreichen, unverwechselbaren und stets überraschenden Formfindungen Anwendung finden, weil er dem Material meist nur ein stilles Mitspracherecht einräumt.

Vergleichbar geht er auch mit dem Stahl um, den der Oberschwabe unter mehreren Schichten hochglänzenden Autolacks versteckt. Indem die Kunstwerke scheinbar mühelos durch den Raum mäandern und ein Gefühl von Schwerelosigkeit vermitteln, konterkarieren sie die Schwere des Materials. In anderen Arbeiten führt er dem Betrachter vor Augen, wie mit wenigen Handgriffen eine ausgewogene Grundform – beispielsweise des Eies – mit wenigen künstlerischen Eingriffen durchkreuzt und auf diese Weise auf eine andere Ebene überführt werden kann.

Man stelle sich nur ein Ei vor, das mit splissigem Holz besetzt ist: Schon ist es keine perfekte Form mehr, schon fangen wir an nachzudenken, denn unsere Sehgewohnheiten werden in Frage gestellt. Nachdem Siber 2009 in Schloss Mochental mit einer Gruppenausstellung zum 60. Geburtstag gefeiert worden ist, präsentiert ihn Ewald Schrade nun in seiner Karlsruher Galerie mit einem Querschnitt durch seine verschiedenen Werkgruppen. Auch auf der art Karlsruhe wird er auf dem Galerienplatz Schrades und an dessen Stand vertreten sein. Die One-Artist-Show am Galerienstand wird dagegen für Reiner Seliger ausgerichtet.

Außerdem hat Schrade noch Dietrich Klinge, Wolfgang Isle, Christopher Lehmpfuhl, Erich Mansen, Antonio Marra, Herbert Mehler, Shmuel Shapiro, Hermann Weber, Robert Weber und Jörg Wiele im Gepäck. In Schloss Mochental sind noch bis 25.3. „Zitate aus vier Jahrzehnten“ zu sehen, mit denen das 40-jährige Galeriejubiläum in einer opulenten Schau gefeiert wird. -ChG

Willi Siber: bis 24.3., Galerie Schrade Karlsruhe, art Karlsruhe: Halle 2, C35; Zitate aus vier Jahrzehnten: bis 25.3., Galerie Schrade Mochental

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