Zeichen. Sprache. Bilder.

Kunst & Design // Artikel vom 14.12.2013

Kunst! Mit dickem orangefarbenem Ausrufezeichen.

„Zeichen. Sprache. Bilder.“ lautet der Titel der Ausstellung, die jetzt aufzeigt, wie vielfältig Künstler auf eines der ältesten Medien der Menschheitsgeschichte, die Sprache, reagieren. In der Städtischen Galerie gab es in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Ausstellungen, die sich mit den künstlerischen Reaktionen auf alltägliche Phänomene, Gegenstände und Materialien auseinandersetzten. Insbesondere seit den 1960er Jahren, im Zuge des Ausbruchs der Künste aus dem Museum, hat dies zugenommen.

Zwar haben schon die Dadaisten mit ihrem Wortwitz Schrift und Sprache gehuldigt und sie aus der praktischen Anwendung extrahiert – gerade Kurt Schwitters, dessen Anschrift während seiner Arbeit für die Dammerstocksiedlung „Rathaus Karlsruhe“ hieß, nimmt hier einen prominenten Platz ein. Aber die Breite und Vielfalt, die in den 1920er Jahren schon angelegt war, wurde nach 1945 noch vertieft. Gleichzeitig ist die Schau ein echtes „Namedropping“, denn sie versammelt – von A wie Richard Artschwager über Joseph Beuys, Hanne Darboven, Jasper Johns, Anselm Kiefer, Sigmar Polke, Ed Ruscha, Cy Twombly und Laurence Weiner bis Z wie Heimo Zobernig oder Tobias Rehberger – namhafte Künstler, die sich mit dem Wort, der Sprache und den dadurch kreierten Zeichen auseinandersetzen.

Gleich dreimal taucht die gerne zitierte Pop-Art-Ikone „Love“ von Robert Indiana auf, Ferdinand Kriwet erklärt allen, die’s noch nicht erkannt haben, dass das, was er malt, „Watte“ ist, und Jenny Holzer ist in zwei außerordentlich nachdenklich machenden Arbeiten von großer Aktualität zu sehen: Auf den ersten Blick wirken ihre beiden Gemälde wie Farbfeldmalerei (also keine Leuchtbänder!), aber beim genauen Hinsehen zeigt sich, dass sie klandestine Informationen, mit „Top Secret“ klassifizierte Geheimdienstberichte eingearbeitet hat – Snowden lässt grüßen! Richtig aktiv werden darf der Betrachter bei Tobias Rehberger, dessen Papp-Skulpturen ihre Botschaft durchs Anleuchten und den Schattenwurf an der Wand enthüllen.

Das am längsten die Ausstellung überdauernde Kunstwerk ist der Katalog, der Zitat des documenta-V-Ordners sein will – und doch gebunden ist. Dass das Thema offenbar in der Luft lag, davon zeugt übrigens auch eine andere Ausstellung im Hallenbau A: „Schriftfilme“ erweitert das Spektrum der Möglichkeiten um eine weitere Dimension: das bewegte (Schrift-)Bild.

Schlüssig ist daher auch die Ausarbeitung eines gemeinsamen Vermittlungsprogramms, bei dem u.a. Timm Ulrichs auf Gunzi Heil treffen wird – und auch bei der Podiumsdiskussion zum Thema „Ich revoltiere, also sind wir! Mitgestaltung im globalen Dorf des 21. Jahrhunderts“ am 6.1. darf man auf Wortgewaltiges gespannt sein. -ChG

„Zeichen. Sprache. Bilder“: bis 23.2., Städtische Galerie Karlsruhe; „Schriftfilme“: bis 12.1., ZKM - Museum für Neue Kunst, Ulrichs/Heil: Sa, 14.12., 15 Uhr, ZKM-Medientheater, Eintritt frei; Podiumsdiskussion: 6.1., 17 Uhr, ZKM-Kubus, Karlsruhe

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