ZKM: Kurz vor der Pause

Kunst & Design // Artikel vom 12.02.2015

Kurz vor der Pause ist das Museum für Neue Kunst derzeit auf allen drei Ebenen mit Kunst bespielt.

Ob Lynn Hershman Leeson oder Gianfranco Baruchello – das ZKM zeigt, dass es abseits der ausgetretenen Museumspfade und bei weniger bekannten Künstlern Spannendes zu entdecken gibt. Insofern gibt es eine Parallele zu Hershman Leesons filmischer Trilogie: Weniger Bekanntes wird auf diese Weise in den Fokus gerückt und damit die (Kunst-)Geschichtsschreibung ein wenig geradegerückt. Oder wussten Sie, dass der erste Programmierer eine Frau gewesen ist? Ada Lovelace nämlich, der Lynn Hershman Leeson mit „Conceiving Ada“ ein filmisches Denkmal setzt. Mit ihrem Werk bewegt sich die amerikanische Künstlerin immer hart an der gesellschaftlichen Realität, setzt sich mit Genmanipulation, der Affinität zu Waffen und dem Thema Überwachung auseinander und ist damit trotz ihrer 74 Jahre außerordentlich aktuell.

Was gleichermaßen auch für Baruchello und sein immer entlang der Idee, des Wortes und der Texte entstandenes Werk gilt, das zugegebenermaßen weit sperriger ist als amerikanische Concept Art derselben Zeit. Das Auge kann sich entsprechend bei den Highlights aus der Städtischen Galerie ein wenig entspannen, die unter dem Titel „Von Ackermann bis Zabotin“ präsentiert werden. Gegenchronologisch aufgebaut, beginnt die Schau in der unmittelbaren Gegenwart mit einem Werk Franz Ackermanns, das die vielfältigen Netzwerke unserer Zeit anschaulich darstellt, um dann bei den Anfängen der Karlsruher Akademie und ihren Professoren-Künstlern zu enden.

Die Ausstellung „ZKM Gameplay“ bringt dann die ganz aktuelle Note ein und verdeutlicht exemplarisch, warum ein Kunstmuseum Computerspiele zeigt: Es geht darum, wie wir uns heute Dinge aneignen; um den Stellenwert, den Computerspiele in unserer Gesellschaft haben. Spannend – und zum Mitmachen allemal geeignet – ist, was Künstler für den „App Art Award“ als Applikation fürs Smartphone eingereicht haben. Das reicht von Laser-Installationen, die von der Masse der User steuerbar sind, bis hin zu an Kaleidoskope erinnernden Bildern, die auf einer physikalischen Theorie basieren.

Nach Ostern schließt dann auch das MNK, damit das inzwischen 100 Jahre alte Haus bis zum „Stadtgeburtstag“ im Juni und dem Start des 300-tägigen Kunstereignisses „Globale“ komplett auf den aktuellen Stand gebracht werden kann. Die Museumskommunikation arbeitet aber ganz normal weiter und entwickelt derzeit Formate, mit denen das ZKM in der Zeit der Schließung dennoch in der Stadt wahrgenommen wird. Auf der Website reinschauen lohnt sich also durchaus auch noch nach Ostern! -ChG

Alle Ausstellungen: bis 6.4., ZKM - Museum für Neue Kunst, Karlsruhe

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