Florian Vitez, Musiklabelinhaber

Popkultur // Artikel vom 27.03.2021

Florian Vitez, Musiklabelinhaber (Foto: Felix Groteloh)

Schon als Jugendlicher ist Florian Vitez’ Leidenschaft für Musik so ausgeprägt, dass er sich nach seinem Abitur für ein Studium der Musikinformatik und Musikwissenschaft mit dem Nebenfach Kulturmanagement in Karlsruhe entscheidet.

Erste Erfahrungen im Veranstaltungsbereich gesammelt hat er bereits in seiner Heimat Fürth und Nürnberg; 2007 beginnt er, auch in Karlsruhe kleine Veranstaltungen zu organisieren und lernt dabei seinen heutigen Geschäftspartner Dominik Willisch kennen, mit dem er vor zwölf Jahren die ersten Schritte in Richtung eigenes Musiklabel gegangen ist. Gemeinsam probieren sie mit befreundeten Bands vieles nach dem Trial-And-Error-Prinzip aus und schnell entwickelt sich Vitez’ berufliches Interesse weg vom Musikmachen hin zum Organisieren. Heute ist er Geschäftsführer und Mitinhaber von Reposit Entertainment, einem in Karlsruhe und Berlin ansässigen Unternehmen, das schwerpunktmäßig in den Bereichen Music-Publishing, Events und Künstlermanagement tätig ist und aktuell u.a. mit Artists wie Lienne, Horrible Sophie, Tengo, Moritz Jahn und Frische Luft zusammenarbeitet.

„Obwohl Karlsruhe nicht gerade das Herz der Musikindustrie in Deutschland ist, hat die geografische Lage einige Vorteile: Von hier aus ist man schnell in Freiburg, Frankfurt, Stuttgart oder der Schweiz, wo wir viel arbeiten“, erklärt Vitez, der nach seinem Masterstudium in Hamburg auch des Klimas wegen den Weg zurück in die Heimat gesucht hat. Neben vielen organisatorischen Aufgaben besteht sein Job darin, Produzenten und Kreative zu vernetzen, um gemeinsam Musik zu schreiben und letztlich auch zu überlegen, wie sich KünstlerInnen langfristig aufbauen lassen. Außerdem ist die Firma im Livegeschäft als Veranstalter und veranstaltungstechnischer Dienstleister aktiv und richtete deutschlandweit bereits diverse Konzerte und Eventformate aus, in Karlsruhe zuletzt im Corona-Sommer 2020 auf der von ihm mitverantworteten Karlsruher Kulturbühne an der Messe.

„Es hat uns natürlich ziemlich hart getroffen. Zum einen, weil das Jahr komplett durchgeplant war und zum anderen mussten wir irgendwie weitermachen“, erinnert sich Vitez. „Es wurde ja immer nur von bestimmten Zeiträumen gesprochen, d.h. wir mussten so arbeiten, als ob alles regulär stattfinden würde. Wir haben Konzerte verschoben, in andere Locations verlegt und Hygienekonzepte entwickelt, bis hin zu jenem Punkt, an dem dann doch alles abgesagt wurde.“ Auch finanziell ging das an die Substanz und verlangte der Firma eine strenge Einsparpolitik ab. „Letztlich war es eines der arbeitsintensivsten Jahre, die ich jemals hatte. Gleichzeitig konnten wir nicht wirklich etwas umsetzten und haben dabei haufenweise Geld verloren“, gibt der Reposit-Geschäftsführer ernüchtert zu.

„Die Frage ist, wie lange die Branche durchhält, wenn sie immer nur vorbereitet – darauf aber nichts folgen darf. Die Kulturbühne war zumindest ein Projekt, das inmitten des Pandemiejahres realisiert werden konnte. Dabei ging es uns vor allem darum, ein Zeichen zu setzten, etwas zu bewegen, zu zeigen, dass etwas passiert und trotz alllem etwas möglich gemacht werden kann. Die Kulturbühne war nicht zuletzt ein Experimentierfeld, um Hygienekonzepte auszuprobieren und zu schauen, wie die Leute es annehmen“, so Vitez. Allerdings verweist er darauf, dass solche Produktionen unter den gegebenen Umständen in keiner Weise wirtschaftlich sind. „Ich bin guter Dinge, dass wir da durchkommen, aber generell ist die Situation extrem prekär, weil einfach unendlich viel im Kunst- und Kulturbetrieb kaputtgemacht wurde. Es wird Jahre dauern, das wiederaufzubauen. Das fängt dabei an, dass wir das Publikum zurückgewinnen müssen“, so seine Einschätzung.

Dabei komme es darauf an, dass der Prozess auch von staatlicher Seite unterstützt und mit umfangreichen Förderprogrammen mitgestaltet wird. Während vorerst in den Konzerthallen auch weiterhin die Lichter ausbleiben, weicht der 34-Jährige temporär in den digitalen Raum aus: Als Creative Consultant arbeitet seine Firma u.a. für Roba Music Publishing, einen der weltweit führenden Musikverlage, mit dem seit vergangenen Oktober digitale Songwriting-Camps veranstaltet werden. „Beim ersten waren rund 40 Künstler aus verschiedenen Ländern beteiligt, die sich alle in virtuellen Räumen getroffen, gemeinsam neue Songs geschrieben und per Remote-Recording aufgenommen haben.“ -siju

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