Jazzfestival Karlsruhe ’19

Popkultur // Artikel vom 16.10.2019

Max Andrzejewskis Hütte

Zum 50. Jubiläum des Jazzclubs Karlsruhe gestalten die Macher ein spannendes und buntes Festival.

Schon der Auftakt mit der All-Star-Band um Pianist Marc Copland, Trompeter Randy Brecker und Saxofonist Dave Liebman lässt aufmerken (Mi, 16.10., 20 Uhr, Tollhaus). Die 2018 gestartete „Jazz Discovery“ für vielversprechende junge Talente geht mit dem Trio des Kölner Pianisten Felix Hauptmann, dem Septett Shana Moehrkes Young Generation und dem nach vielen Seiten offenen Kollektiv Tales Of in eine neue Runde (Do, 17.10., 20 Uhr, Jubez).

An Max Andrzejewskis Hütte erinnern sich manche vielleicht noch wegen ihres sympathisch durchgeknallten Gigs vor gut zwei Jahren. Die mit dem „Neuen Deutschen Jazzpreis“ ausgezeichnete Formation, um Sängerin Cansu Tanrikulu und den Multiinstrumentalisten Jörg Hochapfel erweitert, verneigt sich „zwischen Hochenergie und lyrischer Poesie changierend“ vor Robert Wyatt, Mitbegründer von Soft Machine (Fr, 18.10., 19.30 Uhr, Foto oben: Dovile Sermokas). Das mit Robert Landfermann und Jonas Burgwinkel top besetzte Pablo Held Trio zählt zu den wichtigsten deutschen, wenn nicht gar europäischen Klaviertrios der Gegenwart: Junger, zeitgemäßer Jazz, der die Grenzen zwischen Komposition und Improvisation sprengt (Fr, 18.10., 21.30 Uhr, beides ZKM-Medientheater).

Der Samstag startet mit einem „Rat Pack“-Special der Kons-Bigband. Herrlich oldschooliger Swing, feat. Teddy Schmacht, Sean Guptill und Tunc Süzer (Sa, 19.10., 19 Uhr, ZKM-Foyer). Das Temperamentbündel China Moses bedient sich an allem, was gefällt: Soul, R’n’B, Jazz, Funk, Pop. „Ich bin eine Mischung, ein Hybrid!“, erklärt die Sängerin und Tochter der Jazz-Ikone Dee Dee Bridgewater, deren Lebensfreude man am besten live erlebt. Nightintales verspricht musikalische Nachtgeschichten der besonderen Art (Sa, 19.10., 20 Uhr, ZKM-Medientheater). Die 2018 mit dem „Jazzpreis der Stadt Innsbruck“ ausgezeichnete Saxofonistin, Sängerin und Komponistin Helga Plankensteiner hat sich auf der neuen CD Schubert-Lieder vorgenommen, denen sie eigenwillige Arrangements verpasst. „Lustige Combo, geile Musik“ freut sich „Jazzthing“ über die Band, die mit Trompeter Matthias Schriefl gleich noch einen weiteren Freigeist als Gast in ihrer Mitte begrüßt (Sa, 19.10., 21.15 Uhr, ZKM-Vortragssaal).

Ebenfalls schwer in Schubladen stecken lässt sich das Quintett Pilgrim des Züricher Tenorsaxofonisten Christoph Irniger, das als eines der Aushängeschilder des zeitgenössischen Schweizer Jazz gilt. Die vierte CD „Crosswinds“ oszilliert zwischen Improvisation und Notation, Eingängigem und Sperrigem, fragiler Poesie und druckvoller Eruption (Sa, 19.10., 22 Uhr, ZKM-Medientheater). Ein Stockwerk tiefer gibt’s parallel fetten Vintage Sound mit Hammond-Orgel und allem Zipp und Zapp. Martin Meixners Matchtape feat. Joo Kraus geht direkt vom Ohr in die Beine (Sa, 19.10., 22 Uhr, ZKM-Foyer). Den Festivalnachklapp liefern die „Jazz Classix“ zu Ehren von Miles Davis’ „Bitches Brew“ (Mo, 21.10., 20 Uhr, Jubez). -er

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