Michael Hinz, Siebdrucker & Musiker

Popkultur // Artikel vom 23.03.2021

Michael Hinz (Foto: Paul Gärtner)

Seit mehr als zehn Jahren veredelt Michael Hinz in seinem Druckkabuff Textilien im klassischen Handsiebdruck.

Auf wenigen Quadratmetern bedruckt die Südweststadt-Werkstatt alles von Hoodies über Taschen und Patches bis hin zu Shirts und Shorts – ob Ärmel- oder Hosendruck, sechsfarbiger Volltondruck, Rasterdruck oder Vierfarb-CMYK-Druck, in kleineren wie größeren Auflagen, für Privatpersonen, Firmen, Vereine und Bands. Auch Spezialdrucke sind kein Problem. Die Pandemie hat seine Auftragslage bislang nicht sonderlich geschmälert und er ist gut durchs vergangene Jahr gekommen.

Als Musiker ist „Michel“ hingegen ebenfalls vom Stillstand betroffen: Mit seiner Band InDecision darf der Ex-„Bone Idles“-Gitarrist seit Beginn der Krise nicht mehr richtig proben. Corona hält das Quintett aus Karlsruhe aber nicht davon ab, weiter an neuen Post-Punk-/Darkwave-Songs zu schrauben. Alternativ skypt man oder verabredet sich zu einer Zweiersession im Studio. „Jeder übt für sich zuhause und anschließend schicken wir uns die Sachen dann hin und her“, erklärt er. So haben es InDecision dennoch geschafft, ihr ursprünglich für April 2020 geplantes Studioalbum im August fertigzustellen.

Doch das gemeinsame Musizieren fehlt ihm sehr, gibt Hinz unschwer zu. Aus Solidarität gegenüber der lokalen Clubszene hat man sich im Dezember dann doch für einen gemeinsam Auftritt zusammengerottet: Neben 35 anderen Bands versammelten sich InDecision unter corona-konformen Auflagen in der Alten Hackerei und nahmen einen Livesong auf – als Beitrag für die „Soliplatte Karlsruhe“, ein Projekt der „Initiative Stromgitarre“, die von Musikern und Technikern aus dem Umfeld von Hacke und P8 gegründet wurde. Heraus kam eine Vierer-Vinylbox, finanziert über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter.

Die Hilfspakete sind aus Hinz’ Sicht nur Tropfen auf dem heißen Stein: „Das ist nicht viel, wenn man bedenkt, dass die Hackerei vom Biergarten abgesehen seit einem Jahr quasi zu ist. Und auch Substage oder Jubez, die von den Konzerten leben, sind in ihrer Existenz bedroht.“ Er sieht die Gefahr, dass die gesamte Struktur der Kulturszene zusammenbricht. Ruhe, weniger Termine, Zeit mit der Familie – für den 47-Jährigen ist zumindest die Entschleunigung ein positiver Aspekt der Schieflage. Trotzdem wünscht er sich, 2021 endlich auch mal wieder voll aufdrehen zu können! -siju

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