Tocotronic

Popkultur // Artikel vom 19.04.2008

"Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein" – welcher Endzwanziger/Thirty­something kennt ihn nicht, den Spruch, mit dem vor 15 Jahren alles begann?

Auf Häuserwänden und T-Shirts war er zu lesen – keine Frage, da hatte jemand den Nerv der Zeit getroffen. Aber es kam noch besser für die drei Ur-Tocos Jan Müller (Bass), Arne Zank (Schlagzeug) und Dirk von Lotzow (Gesang, Gitarre): Sie avancierten neben Blumfeld und Die Sterne zum Aushängeschild eines Sounds namens "Hamburger Schule".

Jedes Album bot der sinnsuchenden Jugend weitere konsensfähige Slogans ("Wir sind gekommen, um uns zu beschweren", "Die Welt kann mich nicht mehr verstehen") und zudem das unverzichtbare Gefühl, im Kampf Gut gegen Böse auf der richtigen Seite zu stehen. Der adornohafte Duktus und Soziologen-Wortschatz nebst runtergeschlurftem Outfit (Cordhose und Trainingsjacke waren quasi Pflicht) versprühten den Glanz einer studentisch-alternativen Intellektualität und garantierten die nötige Distinktion gegenüber der vermeintlich proletarischen "normalen" Rockmusik.

Jüngst schoben Tocotronic ihrer letztjährigen, achten Studio-CD "Kapitulation" den Konzertmitschnitt "Kapitulation live" hinterher – aber keine Angst, nicht die Hamburger geben auf, nein, der Kapitalismus mit seinen hässlichen Fratzen geht endlich vor der aufgeklärten Menschheit in die Knie. Wünschen sich Tocotronic. In diesem Sinne: "Der Kampf geht weiter!" (Ton Steine Scherben). -th

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