22. Europäische Kulturtage

Stadtleben // Artikel vom 12.04.2014

„2014 – 1914 / Frieden + Krieg“ ist das Motto der 22. „Europäischen Kulturtage“ vom 7. bis 25.5.

2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal. Mit ihm, aber auch mit aktuellen Fragen zu Frieden und Krieg setzen sich die Europäischen Kulturtage künstlerisch, politisch und ethisch auseinander. Friedemann Dupelius und Patrick Wurster (Film) stellen die erste Hälfte des Programms der EKT mit Terminen bis zum 14.5. vor.

Ausstellungen: Künstlerisches und Historisches
Auf das Theaterstück „Fritz Bauer“ von 1929 bezieht sich Michaela Melián in ihrer Ausstellung „In A Mist“ im Badischen Kunstverein. Es behandelte den Klassenkampf in Deutschland, aufbereitet für ein sowjetisches Publikum. Melián, bekannt auch als Mitglied der Band F.S.K., greift das Thema aus heutiger Perspektive auf, thematisiert ungerechte Beschäftigungsverhältnisse und Bildungschancen und nutzt dafür Zeichnungen und Fotografie genauso wie Sound und Film (Foto: „Radioturm“/25.4.-22.6.). Die Rolle des weiblichen Geschlechts im Ersten Weltkrieg untersucht die Ausstellung „Die friedfertige Frau“. Leitmotiv ist das sich um Umbruch befindende Frauenbild und ein erstarkendes weibliches Selbstbewusstsein durch die Erfahrungen in Arbeitseinsätzen an der Heimatfront. In den Arbeiten der 14 gezeigten Künstlerinnen spiegelt sich die Thematik aktuell weitergedacht in verschiedenen Medien wider (9.5.-1.6., Gedok). Ebenfalls mit Leben und Arbeit an der Heimatfront beschäftigt sich die Doppelausstellung „Der Krieg daheim“ im Stadtmuseum im Prinz-Max-Palais (9.5.-26.10.) sowie dem Pfinzgaumuseum Durlach (Foto/10.5.-26.10.): Hier gehören Luftangriffe, arbeitende Frauen und Kriegsgefangene, Lazarette und die Versorgungskrise zu den Themen. Die Städtische Galerie zeigt aus ihrer Sammlung Werke, die menschliches Leid durch Krieg verarbeiten – zu sehen sind Malerei und Grafiken aus vier Jahrhunderten (9.5.-26.10.). Explizit um Künstler, die in den Ersten Weltkrieg zogen, geht es bei „Zerschossene Illusionen“ mit Arbeiten von u.a. August Macke und Otto Dix (10.5.-13.8., Staatliche Kunsthalle, Orangerie), und auch der Franzose Théophile Steinlen beschäftigte sich in seinen Zeichnungen und Grafiken mit Politik, Ungerechtigkeit und Krieg (10.-25.5., Stiftung Centre Culturel Franco-Allemand). Mit Bild, Ton und Geschmack nähern sich der französische Klangkünstler Raphaël Charpentié und der deutsche Videokünstler Markus Kiefer dem Ersten Weltkrieg an: In „Schlamm Gourmande“ geht es um Propaganda und Klischees genauso wie um Soldaten-Eintöpfe und Sieger-Schmaus (Foto/11.-25.5., Künstlerhaus). Im ambivalenten Titel spiegelt sich der Schlamm der Schützengräben, der Millionen Soldaten gefräßig verschlingt, ebenso wider wie die farblosen Eintöpfe und die mageren Essensrationen der Soldaten. Vernissage ist hier am 10.5., 19 Uhr, im Rahmen der Ausstellung finden zwei kulinarische Performances statt – „eau de vie – eau des morts“ am 7.5. ab 22 Uhr im Staatstheater im Anschluss an die offizielle Eröffnung der Europäischen Kulturtage sowie zur Finissage im BBK Künstlerhaus die Performance „kanonenfutter“ am 25.5. ab 19 Uhr. Auf Suche nach historischen Leerstellen der Kriegsgedenken im Stadtraum macht sich das trinationale Künstlertrio der „Mémoires perdues“ ab So, 11.5. an unterschiedlichen Orten in der Stadt. Wie Kinder auf Frieden und Krieg blicken, zeigt die Ausstellung der Jugendkunstschule in der Evangelischen Stadtkirche (14.-25.5.). Im Badischen Staatstheater läuft die Hörinstallation „Vormorgen“, die Gedichte von Ernst Toller vertont, an mehreren Terminen ab Mi, 7.5. im Outer Space, und im Unteren Foyer des Hauses sind jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn deutsche, vor allem badische, Propaganda-Keramiken aus der Zeit des Ersten Weltkrieges zu sehen (7.5.-25.5.). -fd

Theater: Utopien und Privates, Live-Hörspiel und Animation
Von den Problemen eines Gaswerks, das den gesamten Energiebedarf der Welt decken und alle Arbeiter gleichmäßig an den Profiten beteiligen will, erzählt Georg Kaiser in seinen Schauspielen „Gas I“ und „Gas II“. Hierfür kehrt Hansgünther Heyme als Regisseur nach über 50 (!) Jahren ans Badische Staatstheater zurück (Foto/Di, 8.5., 20 Uhr, Kleines Haus). Dass Krieg auch von literarischer Seite nicht immer zwingend verurteilt wird, zeigt Georg-Achim Mies in seinem Stück „In Zeiten des Krieges? Und danach!“ auf: Historische und literarische Figuren entlarven ihren Sadismus und ästhetisieren den Krieg, erhalten dabei aber auch Gegenwind (So, 11.5., 19 Uhr, Staatstheater, Studio). Im musikalischen Live-Hörspiel „Billy Bishop steigt auf“ schwurbelt sich ein naiver Kanadier vom Schützengraben in die Lüfte und wird zum gefürchteten Jagdpiloten – Leonhard Koppelmann hat das ursprüngliche Musical radio- und bühnentauglich umgearbeitet („Imperial War Museum“/Di, 13.5., 20 Uhr, Staatstheater, Kleines Haus). Die fünf Mitglieder der Volkstheater-Seniorengruppe BaSta recherchierten in ihren privaten Dokumenten nach Zeugnissen aus dem Ersten Weltkrieg: In „Ich war 1914 fünfundzwanzig“ untersuchen sie, wie Menschen mit solch extremen Zeiten wie denen eines Krieges umgehen (Mi, 14.5., 18 Uhr, Staatstheater, Insel). Kammermusik, Schauspiel, Erzählung, Tanz und Animationen verbindet die von Daniel Pfluger geleitete Inszenierung der „Geschichte vom Soldaten“. Die bereitet Igor Strawinskys Musiktheater von der fatalen Begegnung eines jungen Soldaten mit dem Teufel mit neuen gestalterischen Mitteln auf – „Strawinsky:Animated“ (Simon Detel/Mi, 14.5., 20 Uhr, Staatstheater, Kleines Haus). -fd

Musik: Geschmolzene Orgelpfeifen und der Wunsch nach Frieden
Auskomponierte Kriegs-Erfahrungen, Songs für den Frieden, Militär- und Marschmusik oder sonische Waffen – Krieg und Frieden finden sich seit jeher in Musik und Klang wieder. So hat Heinrich Schütz bereits 1648 seinen Wunsch „Verleih’ uns Frieden gnädiglich“ kompositorisch geäußert. Das Stück, gesungen vom Knaben- und Mädchenchor Cantus Juvenum, gehört zum Konzert in der Christuskirche (So, 11.5., 18 Uhr), in dessen Zentrum zwei sinfonische Chorwerke aus Kriegszeiten stehen: Max Regers „Dies Irae“ (1914), Teil seines lateinischen Requiems für die Gefallenen, und „In Terra Pax“ (1945) von Frank Martin. Es singen und spielen die Chöre der Christuskirche (Foto Oratienchor), die Kammerphilharmonie Karlsruhe sowie SolistInnen, geleitet von Carsten Wiebusch. Mit dem Lese-Konzert „Adieu dem Krieg“ von Liselotte Hamm und Jean-Marie Hummel reichen sich die Ex-Feinde Deutschland und Frankreich die Hand – zu hören gibt es Lieder aus der Zeit des 1. Weltkriegs auf Deutsch, Elsässisch und Französisch (Di, 13.5., 19 Uhr, Stiftung Centre Culturel Franco-Allemand). Die Orgelwerke von Max Reger, René Vierne, Hendrik Andriessen, Joseph Jongen und Herbert Howells in der Katholischen Stadtkirche St. Stephan (Mi, 14.5., 20 Uhr, Organist: Patrick Fritz-Benzing), stammen aus der selben Zeit (und aus fünf Ländern!) – einer Zeit, in der zahllose Orgelpfeifen für die Waffenproduktion eingeschmolzen wurden. Aus der Reihe „Politische Oper“ am Badischen Staatstheater reihen sich „Dr. Atomic“, ein Stück über den Atombomben-Erfinder Oppenheimer (Sa, 10.5., 15 Uhr), und Mieczyslaw Weinbergs „Die Passagierin“, wo ein KZ-Opfer ihrer ehemaligen Wärterin begegnet (Di, 13.5., 19.30 Uhr, jeweils Staatstheater, Großes Haus), ins Festival-Programm ein. -fd

Lesung: Von Käthe Kollwitz bis Ernst Jünger
Kurz vor Ausbruch des 1. Weltkriegs wurde George Tabori geboren. In seinen Stücken verarbeitete der Theatermacher auch eigene Kriegserfahrungen aus der NS-Zeit. Eine inszenierte Lesung stellt Tabori, der dieses Jahr 100 geworden wäre, vor (Fr, 9.5., 22 Uhr, Staatstheater, Studio). Texte aus der deutsch-französischen Ausstellung „Menschen im Krieg“ präsentieren Schauspieler am Mo, 12.5., 20 Uhr im Studio des Staatstheaters. Aus Tagebüchern und Briefen der Grafikerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz liest Gisela Straehle, komplementiert von Projektionen ihrer Werke sowie Liedern, gesungen von Sibylle Dotzauer (Di, 13.5., 20 Uhr, Tollhaus). Unter dem knackigen Titel „Vorlesung am Abend abgesagt. Morgens Einkäufe: Revolver“ läuft die Reihe der Literarischen Gesellschaft zu literarischen Reflektionen über den 1. Weltkrieg. Erster Gast ist der Literaturwissenschaftler Helmuth Kiesel, der über Ernst Jünger spricht (Mi, 14.5., 19 Uhr, Museum für Literatur am Oberrhein). -fd

Wissen: Vorträge und Exkursionen
Krieg und Frieden treten bei den Europäischen Kulturtagen nicht nur künstlerisch zu Tage – auch Vorträge, historische Führungen und Exkursionen gehören zum Programm. So lässt sich zum Beispiel per Fahrrad buchtsäblich erfahren, wo der 1. Weltkrieg in Karlsruhe hinein gewirkt hat. Die Exkursion am Sa, 10.5. startet um 11 Uhr auf dem Festplatz vor der Schwarzwaldhalle, Anmeldung unter info@stattreisen-karlsruhe.de. Über die Stadtgrenzen hinaus bis nach Strasbourg und Haguenau führt die historisch-literarische Tagesfahrt zu geschichtlich bedeutenden Orten des 1. Weltkrieges, Anmeldung unter: www.up-paminia-vhs.org. Auf Französisch spricht Jean-Noël Grandhomme über die Elsass-Lothringer in den Reihen der deutschen Armee 1914-1918 (Fr, 9.5., 19.30 Uhr, Stiftung Centre Culturel), und über die Möglichkeiten einer Politik ohne Militär und Rüstung geht es im Vortrag von Ulrich Hahn vom Internationalen Versöhnungsbund (Di, 13.5., 19 Uhr, Tollhaus). -fd

Schauspiel-Premiere: Kriegserklärungen
Krasnodar, Temeswar, Rijeka, Nancy und Nottingham haben nicht nur gemeinsam, dass sie allesamt Partnerstädte von Karlsruhe sind – jede der Regionen, in denen diese Orte liegen, war auch am Ersten Weltkrieg beteiligt. 100 Jahre später, im Rahmen der Europäischen Kulturtage, treffen sich junge Autoren aus all diesen Städten zu einem Theaterprojekt in Karlsruhe. Gemeinsamer Anhaltspunkt ist die Doppeldeutigkeit der „Kriegserklärung“, die ja auch die Erläuterung von Krieg meinen kann. Wer erklärt heute noch wem den Krieg und warum? Und welchen Weltproblemen sollen wir selbst den Kampf ansagen? -fd

Do, 15.5., 20 Uhr, Fr, 16.5., 20.30 Uhr, Outer Space, Badisches Staatstheater, Karlsruhe

EKT-Chorkonzert: Da pacem Domine
„Die Kraft der Liebe und des Mitleids ist stärker als die Macht der Waffen.“ Mit diesen Worten Mahatma Gandhis als Leitgedanken singt der Kammerchor Studio Vocale Karlsruhe Friedensbitten aus einer Zeitspanne von über 500 Jahren. Renaissance-Komponist Josquin Desprez trifft auf lebende Musiker unserer Zeit wie Rudolf Kelterborn und Krzysztof Penderecki. Die Wünsche von Heinrich Schütz („Verleih uns Frieden gnädiglich“) und Arnold Schönberg („Friede auf Erden“) unterscheiden sich bloß klanglich. Uli Pleßmann spricht dazu Texte von unter anderem Gandhi, Dorothee Sölle und Bertolt Brecht. Werner Pfaff hat die Leitung, Manfred Kratzer spielt Orgel und Simone Kessler ist Sopran-Solistin. -fd

So, 18.5., 18 Uhr, Christuskirche, Karlsruhe

Konzerte zu Krieg und Frieden
Rudi Stephan fiel mit nur 28 Jahren an der Ostfront. Der Komponist ist nur eines von vielen Beispielen für das jähe Ende vielversprechender Künstlerleben durch den Krieg. Davon, aber auch davon, wie Kunst unter den widrigsten Umständen ihre Wege findet kann, erzählt der Pianist Florian Steininger im Konzert in der vhs (Fr, 23.5., 19 Uhr, Ulrich-Bernays-Saal), und spielt einige der selten aufgeführten Werke von Rudi Stephan. Die Musikerinnen des Künstlerinnenforums Gedok nähern sich in einer Collage aus Improvisationen, Kompositionen und Text-Performance der Funktion und Wirkung von Kriegs- und Friedensmusik an. Kann Musik Frieden stiften, kann solche Musik auch missbraucht werden? (Mo, 19.5., 20 Uhr, Tollhaus). -fd

Staatstheater: 7. Sinfoniekonzert & 4. Sonderkonzert
Krieg und Gewalt sind immer wieder auch Thema in der Musik. Die beiden sinfonischen Konzerte stellen vertonte Kriegserfahrungen, klagende Musik und gefallene Komponisten zusammen. In beiden Programmen spielt die Badische Staatstkapelle mit Dirigent Justin Brown den Überraschungs-Charthit „Sinfonie der Klagelieder“ von Henryk Górecki und Anton Weberns Bach-Bearbeitung „Ricercata“. Teil des 7. Sinfoniekonzerts sind zudem Alban Bergs „Drei Stücke für Orchester op. 6“ und Arnold Schönbergs Vertonung eines Ghetto-Berichts, „Ein Überlebender aus Warschau“ (So, 18.5., 11 Uhr + Mo, 19.5., 20 Uhr). Das 4. Sonderkonzert erinnert an zwei junge Komponisten, die den Ersten Weltkrieg nicht überlebten: George Butterworths Liederzyklus „A Shropshire Lad“ handelt von der Vergänglichkeit des Lebens und der irreal erscheinende „Liebeszauber für Bariton und Orchester“ von Rudi Stephan wurde erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt (Fr, 23.5., 19 Uhr, Badisches Staatstheater Karlsruhe, Großes Haus). -fd

Karlsruhe und der Erste Weltkrieg
Während sich Stadt- und Pfinzgaumuseum in einer Doppelausstellung mit dem „Krieg daheim“, mit der Versorgungskrise, der Kunst und Kultur zu Kriegszeiten, der Propaganda und den Kriegserinnerungen befassen, schaut das Stadtarchiv auf die Verbindungen zwischen Heimat und Front: Während des Ersten Weltkriegs kümmerten sich verschiedene Organisationen um die Sammlung von Dingen, die an der Front gebraucht wurden – vom Tabak über Wäschestücke bis zu Gold. Im Foyer werden Plakate und Fotos zu Sammelaufrufen für „Liebesgaben an die Front“ gezeigt; im Lesesaal, der einst Versteigerungsraum und Wäschesortierstation war, können Interessierte nach weiteren Beständen recherchieren. Das Begleitprogramm mit Führungen, z.B. am Do, 22.5. im Stadtmuseum mit Dr. Ernst Otto Bräunche, findet sich auch im Internet – www.karlsruhe.de/stadtarchiv, www.karlsruhe.de/stadtmuseum und www.karlsruhe.de/pfinzgaumuseum lauten die neuen Adressen. -bes

Stadtarchiv: 19.5.-23.10., Eintritt frei; Stadtmuseum im Prinz-Max-Palais und Pfinzgaumuseum Durlach: bis 26.10

Lesungen und Symposien
Die Zahlen sprechen für sich: 14.400 Kriege mit 3,5 Milliarden Todesopfern hat es auf der Erde seit Beginn der Geschichtsschreibung gegeben. Weiter geht der Wahnsinn bis zum heutigen Tag. Der Autor Hanns-Joseph Ortheil widmet sich dem Briefwechsel des Lyrikers Wilhelm Klemm aus dem Ersten Weltkrieg, den er als Feldarzt miterlebte, und seiner Frau (Do, 15.5., 20 Uhr, Prinz Max-Palais). Ein Symposium des ZAK vom 16. bis 18.5. untersucht, wie sich die Muster von Kriegen in den letzten Jahrzehnten verändert haben, was es mit Drohnen und Cyberwar auf sich hat, welche Rolle Deutschland heute militärisch spielt und wie Wissenschaftsethik zur militärischen Forschung steht. Beginn ist am Fr, 16.5., um 19.30 Uhr im Bürgersaal des Rathauses. www.zak.kit.edu/ekt. Am Fr, 16.5., 19 Uhr diskutiert eine Runde um den Karlsruher Historiker Prof. Dr. Rolf-Ulrich Kunze in der Stadtbibliothek über Feindbilder, die heute besonders medial erzeugt werden („Hurra, Majestät!“). Wilhelm Klemms „Der Überläufer“ entstand noch vor Hemingways und Anderschs Antikriegswerken – der desertierende Schriftsteller plädiert sachlich wie lyrisch für einen radikalen Pazifismus, es liest Dr. Wolfgang Menzel (Mo, 19.5., 19 Uhr). Ernst Glaesers Roman „Jahrgang 1902“ erschien 1928 und traf das Lebensgefühl einer Generation, die zu jung für aktive Kriegsteilnahme, aber wohl alt genug für desillusionierende Erfahrungen war – Dr. Christian Klein stellt ihn vor (Do, 22.5., 19 Uhr, jeweils Prinz-Max-Palais). -fd

Kulturtage-Abschluss: War Requiem
Man schrieb den 27. Mai 1944, es war Pfingstsamstag, als die Karlsruher Innenstadt Ziel von Luftangriffen wurde. Die Ev. Stadtkirche wurde dabei fast komplett zerstört, nur die Säulen blieben stehen. In Gedenken daran und gleichzeitig zum Abschluss der Europäischen Kulturtage 2014 kommt Benjamin Brittens „War Requiem“ zur Aufführung. Das Stück erklang das erste Mal zur Einweihung der wiedererrichteten Kathedrale von Coventry im Jahr 1962. Der Bachchor Karlsruhe sowie der Cantus Juvenum, die erweiterte Camerata 2000, Sopranistin Lydia Zborschil, Tenor Bernhard Gärtner, Bass Thomas Laske und Kirchenmusikdirektor Christian-Markus Raiser sind an diesem Abend beteiligt. -fd

So, 25.5., 19.30 Uhr, Ev. Stadtkirche, Karlsruhe

Krieg dem Krieg durch Recht
Nachdem das ZKM mit der Tagung innerhalb von „global activism“ bereits auf die Rolle Justitias hingewiesen hatte, wird jetzt neuerlich durch den Vortrag von Christoph Flügge darauf der Schwerpunkt gelegt. Flügge ist als Richter am Internationalen Strafgerichtshof Vorsitzender des Verfahrens gegen den Kriegsverbrecher Ratko Mladic. Insofern steht sein Vortrag sowohl im Zusammenhang mit „Mapping Spaces“ als auch zu den Europäischen Kulturtagen. -ChG

So, 25.5., 11 Uhr, ZKM-Medientheater, Karlsruhe

Kino zwischen Krieg und Frieden
„Die besten Jahre unseres Lebens – Kino zwischen Krieg und Frieden“ titelt das Kinemathek-Programm zu den 22. EKT. Die Auswahl umfasst zum einen Filme, die von 1914 bis in die 40er reichen und zeigen, welche Bilder sich das Kino vom Ersten Weltkrieg gemacht hat; zum anderen liegt der Fokus auf Filmen, die in Folge weiterer kriegerischer Auseinandersetzungen im 20. Jahrhundert entstanden sind und nach den Auswirkungen von Gewalterfahrung und Zivilisationsbruch fragen. Eröffnet wird das Programm im Studio 3 mit „Die große Illusion“ (Do, 8.5.) von Jean Renoir, in dem ein Offizier und ein Soldat der französischen Luftwaffe mehrfach in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten. „Historische Kurzfilme 1914 bis 18“ (Fr, 9.5.) zeigt Inszeniertes sowie Archivaufnahmen aus verschiedenen Ländern Europas. Eine Ausgrabung ist auch der von Günter Buchwald am Klavier begleitete antideutsche Propagandafilm „The Heart Of Humanity“ (So, 11.5.), der mit Erich von Stroheim in der Rolle des monströsen Herrenmenschen die Kriegserlebnisse vierer Brüder aus Kanada schildert. Und von Hollywood-Pionier Carl Laemmle wurde der mutmaßlich berühmteste Anti-Kriegsfilm „Im Westen nichts Neues“ (Mi, 14.5.) produziert; die Filmwissenschaftlerin Cristina Stanca-Mustea würdigt den Deutsch-Amerikaner, der mit der Gründung von Universal-City den Grundstein für die Traumfabrik gelegt hat, vornweg in ihrem Vortrag „Zwischen den Fronten“. Mit der titelgebenden Produktion setzt die Kinemathek ihr eigens für die 22. „Europäischen Kulturtage“ zusammengestelltes Filmprogramm „Die besten Jahre unseres Lebens“ fort. Am Fr, 16.5. läuft das 1946 von William Wyler inszenierte Porträt der Nachkriegsgesellschaft am Beispiel dreier Heimkehrer. Ein Schlüsselfilm des amerikanischen 70er-Kinos ist der mit Robert De Niro, Meryl Streep und Christopher Walken hochkarätig besetzte „Die durch die Hölle gehen“ (So, 18.5.), in dem eine Clique junger Männer durch den Vietnam-Krieg traumatisiert wird; „The Messenger – Die letzte Nachricht“ (Di, 20.5.) begleitet zwei US-Soldaten, die nach dem Irak-Krieg feststellen müssen, wie schwer die Rückkehr in eine zivile Normalität sein kann. Das „Leben und Sterben des Colonel Blimp“ (Do, 22.5.) hinterfragt Englands moralischen Preis für den Sieg über Nazi-Deutschland und als Abschluss zu sehen gibt’s die Karlsruher Erstaufführung von Derek Jarmans „War Requiem“ (Sa, 24.5.), der das Musikstück Benjamin Brittens mit dokumentarischen und inszenierten Bildern apokalyptisch und surreal erscheinen lässt. Tags drauf kommt das Werk von Britten in der Ev. Stadtkirche live auf die Bühne. -pat

jeweils 19 Uhr, Studio 3, Karlsruhe, Tel.: 0721/937 47 14, www.kinemathek-karlsruhe.de

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