5G-Ausbau in der Pfalz geht voran

Stadtleben // Artikel vom 24.02.2021

Foto: PublicDomainPictures / pixabay.com

Vodafone hat Anfang des Jahres damit begonnen, in der Pfalz das 5G-Netz aufzubauen.

Die ersten Masten werden in Grünstadt, Neuleiningen, Esthal und Haßloch aufgestellt. Laut dem Mobilfunkanbieter wurden das notwendige Equipment an bereits bestehenden Funkmasten angebracht. Bis zur Mitte dieses Jahres sollen jetzt elf weitere Masten installiert werden. Einer davon soll im Rhein-Pfalz-Kreis, zwei im Kreis Südliche Weinstraße und drei im Kreis Bad Dürkheim aufgestellt werden. Der Kreis Germersheim soll dem Vernehmen nach fünf neue 5G-Masten erhalten.

Parallel arbeiten einige Firmen, u.a. die BASF selbst an einem 5G-Aufbau, um den betrieblichen Erfordernissen am Standort Ludwigshafen Sorge zu tragen. Die Stadt Ludwigshafen will nach eigenen Angaben in diesen Tagen über die notwendigen Genehmigungen befinden. Die Unternehmen setzen auf Selbstinitiative, um den notwendigen Digitalisierungsprozess zu beschleunigen und so besser für den Markt gerüstet zu sein.

Probleme auf dem Land sind nach wie vor nicht gelöst

Im Südwesten der Republik und das betrifft auch die Pfalz ist noch nicht an jeder „Milchkanne“ ein ausreichendes Mobilfunknetz verfügbar. Besonders stark betroffen ist auch der Osten und hier vor allem Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen, aber auch im südlichen Bayern und im Harz gibt es noch zahlreiche Funklöcher, von einem tatsächlich nutzbaren Internet ganz zu schweigen. Hier träumt so manch einer noch von Internet, um vielleicht mal eine Online-Überweisung zu machen oder auf seinem Handy ein Browserspiel wie „Forge Of Empires“ oder die Casinospiele auf Deutsch spielen zu können.

Die teils von Unkenntnis geprägten Sprüche so manch eines Politikers müssen den Leuten dort wie blanker Hohn vorkommen. Aber auch so manch ein prominenter Unternehmer hat schon total falsch gelegen, was den technischen Fortschritt und die praktischen Notwendigkeiten angeht. Legendär ist zum Beispiel das Zitat von Bill Gates von 1981: „Mehr als 640 Kilobyte Speicher braucht kein Mensch.“

Auch der Arzt und Politiker Helge Braun, heute Kanzleramtschef, sagte noch 2018 in völliger Verkennung der rollenden Digitalisierungswelle und der damals schon vorhandenen Realität: „LTE ist verdammt schnell und reicht für die Wirtschaft, die Haushalte und für den Bürger allemal.“ Bildungsministerin Anja Karliczek ließ sich sogar, und das obwohl sie es besser wissen müsste, dazu hinreißen, dass „5G nicht an jeder Milchkanne nötig sei“.

Es mangelt vor allem an Verständnis bei den politischen Verantwortlichen, Zuständigkeitsgerangel und am Willen. Ergebnis ist nicht nur, dass Deutschland in Europa bis heute führend bei Funklöchern ist, sondern im internationalen Maßstab beim Stand der Digitalisierung weit abgehängt ist. Selbst im Amazonas haben die Menschen bereits in den entlegensten Teilen Zugang zum Internet und können mit ihren Handys auch telefonieren.

Länder mit dem schnellsten Internet

Deutschland hat sich mit seinen schwerfälligen Entscheidungsprozessen und endlosen Debatten, bei denen allzu oft das Ziel aus den Augen verloren wird, nur damit irgendwie ein Minimalkompromiss gefunden wird in den vergangenen Jahren immer mehr an Boden verloren, was den Fortschritt beim Internetausbau und den Voraussetzungen für die Digitalisierung angeht. Während einst die ganze Welt zur Technik von Siemens oder zur Fritzbox von AVM griff, sind vor allem chinesische Produzenten, bei denen alles sehr viel schneller geht in die sich auftuenden Lücken gestoßen. Bei der Geschwindigkeit des Internets ist Deutschland im weltweiten Ranking in den vergangenen drei Jahren sogar von Platz 25 auf Platz 31 abgerutscht. Die Länder mit dem schnellsten Internet sind (Durchschnittswerte, Stand 2020):

  1. Singapur: 199,6 Mbit/s
  2. Hongkong: 168,69 Mbit/s
  3. Monaco: 137,9 Mbit/s
  4. Rumänien: 139,95 Mbit/s
  5. Südkorea: 132,63 Mbit/s
  6. Ungarn: 122,26 Mbit/s
  7. Schweden: 120,42 Mbit/s
  8. USA: 117.3 Mbit/s
  9. Schweiz: 117,18 Mbit/s
  10. Lichtenstein: 115,12 Mbit/s

Die durchschnittlichen Datenraten in Deutschland liegen dagegen nur bei 69,4 Mbit/s. Selbst Entwicklungs- und Schwellenländer sind und hier voraus.

Worin liegen die eigentlichen Probleme begründet

Die Probleme beim Internetausbau sind vielfälltig. Der Ausbau des Glasfasernetzes geht vielfach nur schleppend voran. Die Bundesregierung hatte in den vergangenen Jahren Mittel in Milliardenhöhe zur Verfügung gestellt, um weiße Flecken beim Empfang von schnellem Internet zu beseitigen. Davon ist jedoch nur ein Bruchteil investiert worden. Es gibt jedoch ein erhebliches Stadt-Land-Gefälle. In vielen ländlichen Gegenden ist man immer noch dabei das 4G- beziehungsweise LTE-Netz auszubauen, sodass auch beim mobilen Empfang noch erhebliche Lücken bestehen. Die großen Mobilfunkanbieter hatten zwar schon bei der Vergabe der UMTS-Lizenzen versprochen Mobilfunklöcher zu schließen, sagen aber selbst, dass sie etwas über 90 Prozent abdecken. Ein Problem dabei sind die Kosten für den Verbraucher auf der einen Seite und die damit verbundene Nachfrage.

Wer für eine Unlimited Flatrate, die zum Monatsende auch noch gedrosselt werden kann, um die 80 Euro wie bei der Telekom ausgeben muss, das sind im Jahr 960 Euro, überlegt es sich zweimal, ob er sich binden will und solch einen solchen Vertrag schließen möchte. In anderen Ländern bekommt man bereits für den gleichen Preis die maximal mögliche Übertragungsrate, ohne fürchten zu müssen, dass irgendeine Begrenzung dafür sorgt, dass ein Video nicht gestreamt werden kann. Weiteres Beispiel Festnetz: Ein Gigabit-Anschluss bei der Deutschen Telekom kostete bis vor kurzem noch 119,95 im Monat. In Schweden bekommt man einen solchen Anschluss bereits zum Preis eines deutschen Anschlusses mit 50 MBit/s.

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