Bauhaus-Erbe in Karlsruhe gefährdet

Stadtleben // Artikel vom 23.04.2020

Dammerstocksiedlung (Foto: Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Stadtbild)

Die Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Stadtbild kritisiert die Nachverdichtungspläne im Dammerstock.

Während die Stuttgarter Weißenhofsiedlung nicht nur vor vier Jahren zum Unesco-Weltkulturerbe gekürt, sondern in diesem Monat auch mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel geehrt wurde, liegen für die vergleichbar bedeutende Karlsruher Dammerstocksiedlung, die als Sachgesamtheit unter Denkmalschutz steht, nun Pläne vor, die eine Nachverdichtung und damit eine Zerstörung des Bebauungskonzepts von Bauhaus-Leiter Walter Gropius bedeuten.

Ort der geplanten Nachverdichtung ist der Bunker entlang der Danziger Straße, der im Zweiten Weltkrieg auf einem von Gropius ursprünglich vorgesehenen Freiraum errichtet wurde. Gropius hatte an dieser Stelle eine Begrünung und einen Ort der Begegnung geplant. Aktuelle Planungen, den historischen „Störfaktor“ noch durch Überbauung zu erhöhen und damit zu vergrößern, widerspricht allen städtebaulichen Vorstellungen des Bauhauses. Ein Schlag ins Gesicht von Gropius wäre, ausgerechnet diesen Raum nachzuverdichten. Schon eine Überbauung des Bunkers mit nur einem Stockwerk weicht die klare Grundstruktur der Anlage der Dammerstocksiedlung auf und greift in das unter Denkmalschutz stehende Ensemble massiv ein.

Das Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung in Berlin, das von den Gropius-Erben mit der Wahrnehmung der Rechte an seinem Werk betraut ist, verfolgt die in letzter Zeit geäußerten Nachverdichtungspläne im Dammerstock aufmerksam: „Diese Pläne sehen wir mit Besorgnis und Irritation und finden, dass sie Gropius‘ Werk Schaden zufügen würden“, so die Leiterin des Bauhaus-Archivs Annemarie Jaeggi.

Auch die ArKaS) kritisiert die Pläne zum wiederholten Mal. Der Dammerstock ist als städteplanerisches Kleinod ein Aushängeschild der Architektur in Karlsruhe. „Dieses mit Stolz und Fachkenntnis zu erhalten und zu respektieren sollte Aufgabe der Stadt sein“, so Stadtrat Lüppo Cramer. Zumal erst im vergangenen Jahr mit viel Aufmerksamkeit zum Bauhaus-Jubiläum verstärkt die Bedeutung dieser Siedlung für die Architekturgeschichte betont worden sei. Ziel müsste es nach Meinung der ArKaS sein, wenn der Bunker schon nicht abgerissen werden könne, ihn rundum zu begrünen und beispielsweise das Dach begehbar zu machen – um die Pläne von Walter Gropius endlich umzusetzen. Es könnte ein Musterbeispiel für Grün in der Stadt entstehen, bei dem auch die Bepflanzung mit Bäumen denkbar sei, so die ArKaS-Vorsitzende Dr. Charlotte Kämpf.

Am Do, 23.4. steht die Causa Dammerstock nun auf der Tagesordnung des Planungsausschusses der Stadt Karlsruhe. Hier soll als erster Schritt ein Bebauungsplan für dieses Areal erstellt werden. Grund genug für den Verband Deutscher Kunsthistoriker, die Dammerstocksiedlung auf die „Rote Liste bedrohter Kulturdenkmale zu setzen, mit der bundesweit auf besonders gefährdetes Kulturerbe aufmerksam gemacht wird. -ps/pat

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