Burger Inneneinrichtung: Zwischen Großherzog von Baden & CAD

Stadtleben // Artikel vom 07.08.2022

Burger Inneneinrichtung (Foto: Florian Schlotterer)

Es ist mehr als die bloße Spitze des Eisbergs, was man von der Südlichen Waldstraße aus vom Inneneinrichtungshaus Burger wahrnimmt.

Dennoch ist rund die Hälfte der 1.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche unterirdisch gelegen: Im Gewölbekeller, der sich über drei Waldstraßen-Grundstücke erstreckt, werden mit Polstermöbeln, Stühlen, Regalen, Beleuchtungssystemen und Betten so namhafter Hersteller wie Cassina, Cor, Hay, B&B Italia, Interlübke, Thonet, Fritz Hansen, USM oder Vitra unterschiedlichste Wohnsituationen nachgestellt. „Unsere Kunden sind immer wieder überrascht davon“, sagt Katrin Burger, die das 1919 von ihrem Großvater Ernst als Handwerksbetrieb für Polster und Dekoration gegründete Unternehmen in dritter Generation leitet. Der alte Kohlekeller wird 1979 durch ihren Vater Bernhard zur Ausstellungsfläche umfunktioniert.

Dass die Firma in den 30ern einer der führenden Handwerksbetriebe seiner Zunft in Karlsruhe ist, geht bis auf Großherzog Friedrich I. von Baden zurück: Als Hofoffiziant ist Eduard Burger dessen Vertrauter, für seinen Sohn Ernst eine Stelle als Schlossverwalter vorgesehen. Dafür soll er aber zuerst das Tapeziererhandwerk erlernen, doch nach dem Ende des Ersten Weltkriegs kommt alles anders. Kurz nach Eröffnung des eigenen Betriebs steht das Haus Waldstr. 89 zum Kauf – und die Burger’sche Erfolgsgeschichte kann ihren Lauf nehmen. Nicht ohne Rückschläge: „Zu unserem 30. Jubiläum 1949 etwa musste das zerbombte Vorderhaus wieder aufgebaut werden“, erzählt Katrin Burger.

Die Wende zum Hier und Jetzt datiert von 1957, dem Geburtsjahr ihres Bruders Martin, der als Bürokaufmann für Buchhaltung und Rechnungswesen zuständig ist: Damals tritt Bernhard Burger in die elterliche Firma ein, knüpft Kontakte zur Möbelindustrie und stößt neben der neuen Ausrichtung auch baulich einige nachhaltige Veränderungen an, u.a. die direkt in die Seitenwände eingeputzten rahmenlosen Schaufenster – die erste Karlsruher Geschäftsfassade ihrer Zeit in diesem Stil.

„Eine der größten und wichtigsten Schritte in der Entwicklung unserer Firma war der Neubau Waldstr. 91 – ohne Putz und Tapeten, es sollte ein rein sachlicher Schauraum sein. Wir bekamen somit das Vierfache an Platz und konnten unser Angebot 1964 um eine Reihe bedeutender Kollektionen erweitern“, sagt Katrin Burger. Weiterer Meilenstein: Zehn Jahre später gehört Burger zu den Gründungsmitgliedern des Branchenverbands Creative Inneneinrichter.

Dass Burger-Mitarbeiter einst auf der Staatstheater-Bühne den von ihnen angefertigten größten Vorhang Karlsruhes montiert oder die gesamte Schwarzwaldhalle ringsum verhängt haben, sind nur zwei von zahllosen Anekdoten, die im Laufe von mehr als (2019 ausgiebig zelebrierten) 100 Jahren Firmengeschichte zusammengekommen sind. Heute ist Burger Inneneinrichtung auch für seine Planungskompetenz bekannt – vom Grundriss bis zur Accessoire-Auswahl, vom einzelnen Zimmer bis zum Wohnhaus, von der Arztpraxis bis zum Firmensitz.

„Durch die Arbeit mit CAD konnten wir in den fünf Lockdownmonaten arbeiten, ohne vor Ort beim Kunden sein zu müssen. Als wir dann endlich wieder öffnen durften, wurden wir fast überrannt“, erinnert sich Katrin Burger. Mit dem auch für Empfang, Beratung und Verkauf zuständigen Grafikdesigner Florian Schlotterer und Produktdesignerin Eva-Maria Appel hat sie das langjährig eingespielte Team über diese für viele andere äußerst schwierige Zeit sogar gezielt verstärken können. „Aus unserer Sicht waren es zwei sehr gute Jahre – trotz oder wegen Corona.“ Und 2023 steht Burger ein ganz persönliches Jubiläum ins Traditionshaus, wenn seine Geschäftsführerin ihr 25-Jähriges feiert. -pat

Waldstr. 89-91, Karlsruhe, Mo-Fr 10-18.30 Uhr, Sa 10-16 Uhr, 0721/91 32 20
www.burger.de

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