Chris Fischer, die Frau hinter dem Cover

Stadtleben // Artikel vom 20.02.2012

Chris Fischer (Foto: Rebecca Kern, www.flashbec.de)

Mit Chris Fischer kann man sich blicken lassen.

Und aufs Gesehenwerden kommt es an – jedenfalls aus der Sicht eines Stadtmagazins. Dafür sorgte mit ihrem Cover-Artwork bei der zurückliegenden INKA-Doppelausgabe #73 die Karlsruher Illustratorin, deren pelzbemützte Schneekönigin nicht nur wegen des schulterfreien Outfits für anziehende Kontraste vor verschneiter Winterlandschaft gesorgt hat.

Ihren Reiz erzielt die Collage aus dem Vermengen von fotografischen Elementen, Gezeichnetem und Vektorgrafiken – typisch für die Arbeit von Chris Fischer. Die eingescannten Entwürfe verfeinert sie am Computer, ohne beim Nachbearbeiten mit dem Illustrator den charakteristischen Charme des Handgemachten zu vertuschen. Kennzeichnend ist auch der stets minimalistische Stil; das Reduzieren auf einfache und übersichtliche, oft geometrische Grundformen. Repräsentatives Beispiel: ihr eigenes Logo, ein aus Kreisen und Ovalen zusammengesetztes Gesicht.

Auch hier spielt die Grafikdesignerin mit dem Stilmittel der Reduktion, um über Auslassungen ein Mehr an Aussagekraft zu gewinnen, „das Wesentliche sichtbar zu machen“, wie sie erläutert. „Ausgangspunkt meiner Arbeiten bilden entweder Fotografien aus dem aktuellen Nachrichtengeschehen oder das Konzentrat individueller Wahrnehmung alltäglicher Ereignisse“, definiert Chris Fischer die Kriterien ihrer Motivauswahl. Neben der Werbe-Illustration ist sie Spezialistin für Identity Design, verschafft sowohl Einzelhändlern als auch etablierten Mittelständlern ein unverwechselbares Profil, gestaltet dabei alles vom Überbau bis zur Untermarke, von der Visitenkarte bis zum Give Away.

Ihr Auge für Ästhetik ist ausgiebig geschult: Nach dem Einstieg über die Freie Kunstschule Stuttgart kann sie sich für einen der gefragten Plätze an der Fachhochschule für Gestaltung in Pforzheim qualifizieren, studiert dort Visuelle Kommunikation und tut sich für ihre Diplomarbeit „Fragmentarische Monografie“ mit dem in Karlsruhe nicht nur wegen seiner Lehrtätigkeit an der Staatlichen Akademie bekannten Künstler und Autor Wolf Pehlke zusammen. Anschließend ist Chris Fischer Ende der 90er viele Jahre als Art Director tätig, zuletzt arbeitet sie für die mehrfach mit Design-Preisen ausgezeichnete Leonberger Werbeagentur Hebe.

„Aber irgendwann wurde der Wunsch nach Selbstständigkeit immer stärker“, erinnert sich Chris Fischer. Das Rüstzeug holt sie sich an der Hochschule für Gestaltung in Zürich. „Ich wollte mich konzeptionell verbessern, mein Spektrum erweitern“, begründet sie heute ihr erwähltes Studienfach Theorie der Gestaltung und Kunst. Drei Jahre setzt sie sich dabei mit Marshall McLuhan und praktischer Schreibe auseinander, absolviert 2007 ihr zweites Diplom: „Am Bildschirm ausstellen – Über die Wirkung digitaler Displays im Museum“.

Die aufkommende Sehnsucht, wieder selbst vermehrt künstlerisch in Aktion zu treten, führt zurück in heimatliche Gefilde. Im Kulturzentrum Tempel teilt sie sich derzeit ein Atelier mit Fotografin Rebecca Kern, den Medienkünstlern Pong.li und Bildhauerin Renate Koch. Künftig möchte Chris Fischer das Editorial Design noch weiter in den Fokus ihres Portfolios rücken und mit Covergestaltung, Illustrationen zum Zeitgeschehen, über Lifestyle und Mode sowie textstützenden Infografiken in Magazinen, Zeitschriften, Zeitungen, Broschüren und Büchern für weiteres Aufsehen sorgen. -pat

Chris Fischer – Illustration & Design, Hardtstr. 37a, Karlsruhe, Tel.: 0721/625 85 52 u. 0171/277 70 71
www.chrisfischer.net

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