Der Gutenbergplatz nach dem „Westwind“-Aus

Stadtleben // Artikel vom 02.12.2017

Krautkopfbrunnen

Karlsruhes schönster Platz, der Gutenbergplatz in der Weststadt, ist wohl der einzige Platz in der Stadt, der funktioniert.

Hier kann man relaxt Kaffee trinken oder tafeln, cool shoppen, der Wochenmarkt dienstags und donnerstags wird immer besser goutiert und am Samstag ist er ein echter Treffpunkt nicht nur der Weststädtler, die sich neben dem Einkauf auch jede Menge zu erzählen haben. Echtes Markttreiben eben, das sogar instagramtauglich ist! Eines der Aushängeschilder der Weststadt war auch das „Westwind“-Fest, der im September zum sechsten und leider auch letzten Mal stattgefunden hat. Dem Ende von „Westwind“ stehen die Beteiligten und Macher rund um den Gutenbergplatz mit gemischten Gefühlen gegenüber.

„Eigentlich sehr schade“ finden es die meisten, wohinter sich auch verbirgt, dass der für viele zu massive Gesamtaufwand ein Ende hat. Darunter fällt zum Beispiel die große Bühne, die für viele keine Notwendigkeit darstellte. Auch in anderer Hinsicht hat sich das Fest anscheinend nicht für alle Beteiligten gelohnt. Und das lag nicht etwa an zu geringen Besucherzahlen – im Gegenteil: Viele Tausend Kulturinteressierte und Bummler waren 2017 am Start. Vom Wetter her gesehen war dieses Jahr aber eine der wenigen Ausnahmen – die meisten Feste litten unter schlechtem Wetter. Wie das Format weitergeht, muss nun auf den Prüfstand. Denn gerade die Unkommerzialiät des Festes (die Läden durften nicht verkaufen, ein Anschluss an den verkaufsoffenen Sonntag in Mühlburg ist rechtlich offenbar nicht möglich) und der hohe Personalaufwand machte es für viele Teilnehmer sehr schwierig.

Auch die Macher selbst nannten den hohen zeitlichen Aufwand als Hauptgrund für das Aus des „Westwinds“. Weiter gehe es mit dem gleichnamigen Verein dennoch. Die Lust, die Kultur der Weststadt zu präsentieren, bestehe nach wie vor, meint auch Manuela Seith, Inhaberin von Energie & Farbe und dem neuen Laden Zwei. Ideen seien genug da und auch das Publikum nehme Veranstaltungen am Gutenbergplatz immer zahlreich und gerne wahr. Es müsse in Zukunft nur alles etwas kompakter stattfinden. Ein schöner Geschenketipp von dort: Den Blick aufs Karlsruher Schloss oder den Brunnen am Gutenbergplatz gibt es hier in Form handgemachter Origami-Karten.

Eigentlich böte der bevorstehende Weihnachtsmarkt am Gutenbergplatz eine gute Gelegenheit, Neues auszuprobieren. Er wird vom Bürgerverein getragen und soll am Sa, 16.12. stattfinden. In einem weißen Zelt. Nicht beteiligt sind allerdings die meisten Läden vor Ort. Zu unweihnachtlich, heißt es, zudem sei das Ausschreibungsverfahren undurchsichtig. Der Bürgerverein meldete zunächst selbst den 9. und 16.12. – es ist übrigens derselbe, der das bei den meisten Weststädtlern verhasste „Lindenblütenfest“ veranstaltet, dessen einzig positive Entwicklung darin besteht, dass endlich der ultralaute Autoscooter samt Ballermannbeschallung abgeschafft ist.

Vielleicht sollte sich der Verein, der es auf wiederholte INKA-Anfrage nicht nötig hatte, sich zu „seinem“ Weihnachtsmarkt zu äußern, einfach andere Weststadtbürger oder gleich einen anderen Stadtteil für seine Aktivitäten suchen. Doch zum Glück sind ja andere da: Am Sa, 2.12., der Langen Einkaufsnacht in Karlsruhe, gibt es bei Nick & Nora, &mina, Unser Onkel und efbe möbelart (jeweils bis 20 Uhr), Energie & Farbe oder Romy Ries ohnehin längere Öffnungszeiten (wie im gesamten Advent). Überall ist verschiedenes Programm geboten. Im Dezember ist bei Unser Onkel erneut „Cola Taxi Ok“ zu Gast. Das Kultur-Projekt in der Kaiserpassage widmet sich explizit Neuankömmlingen, Flüchtlingen und Migranten, womit schon mal leckeres Fingerfood aus anderen Ländern garantiert ist! Außerdem ist ein Wochenende mit Lumikello geplant sowie eine Veranstaltung mit dem Schmucklabel SanSan (23.12.). An allen Samstagen gibt es im Design- und Mode-Store von Diana Böhm auch eine Verköstigung und ein kleines Dankeschön an die Kunden.

Geplant ist am Sa, 16.12. eine gemeinsame Ladenaktion der Läden am Gutenbergplatz wie Nick und Nora, &mina, Energie und Farbe, Laden Zwei, efbe möbelart und Unser Onkel. Los geht der Veranstaltungsreigen aber schon im November: Bei Nick und Nora wird am Do, 16.11. „Der kleine Freitag“ mit heißen Drinks gefeiert. Dänisch hyggelig ist die besinnliche Zeit im Romy Ries Concept Store: Um die Weihnachtssaison zu eröffnen, lädt der Laden zum „hyggeligen Abend“ ein (Fr, 17.11., ab 16 Uhr). Hier kann man sich vom dänischen Lebensgefühl „Hygge“ inspirieren lassen und bereits die ersten Geschenkideen sammeln. Am ersten Advent gibt es „Schönes für alle Sinne“ (2.12., 11-18 Uhr). Hierfür ist die Schmuckdesignerin Annette Lechler zu Gast im RRCS und präsentiert zwischen 11 und 18 Uhr ihren ideenreichen, extravaganten Schmuck, der auch auf dem Cover dieser Ausgabe zu sehen ist und von dem Einzelstücke sogar in Museen zu finden sind.

Am gleichen Tag, dem 2.12. um 16 Uhr, liest auch die Autorin Inga Brock aus ihrem neuen Kurzgeschichtenband „Unklare Verhältnisse“ (Lindemanns Bibliothek). Außerdem kann man sich im RRCS von Stephan Girst an den Adventssamstagen zum Thema Wein beraten lassen (2./9./16.12., je 14-18 Uhr), zum X-Mas-Shopping ist in der Yorckstraße donnerstags bis 20 Uhr, samstags bis 18 Uhr geöffnet. -ima/sju/rw

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