Die zweite Nacht des Rechts am 11. Mai

Stadtleben // Artikel vom 02.05.2007

Die städtischen Kulturschaffenden haben nicht den Kopf in den Sand gesteckt, sondern halten ihren Slogan "Mit Recht. Karlsruhe" weiterhin auf Erfolgskurs.

Deswegen veranstaltet die Stadt am Freitag, den 11. Mai zum zweiten Mal eine „Nacht des Rechts". Spannung, Bürgernähe und Sinnlichkeit verspricht das umfangreiche Programm dieser Nacht, die bereits am helllichten Tag beginnt. Schon morgens startet das Sandkorntheater mit einer Aufführung des Jugendstücks „Eins auf die Fresse". Netzförmig breiten sich dann die Angebote über die gesamte Fächerstadt.

Wie bereits bei der erfolgreichen ersten Nacht vor zwei Jahren werden in vielen Stadtteilen spröde Paragraphen kreativ dargestellt. Aus den über 60 Veranstaltungen eine Auswahl zu treffen, fällt nicht leicht, zumal das vielfältige Angebot durchweg hohe Qualität verspricht. Fragen nach Menschenrechten oder Grundrechten, aber auch zwiespältigen Themen wie der Kopftuchstreit gehören dazu. („Gefährlicher Stoff – Plädoyer für einen dritten Weg" heißen die im Roncalli Forum gezeigten Werke der Künstlerin Rosa Baum.) Mit einem bescheidenen Budget von 50.000 Euro stellten die Organisatoren das umfangreiche Programm zusammen. Auf eine kleine Finanzspritze seitens des Landes musste Karlsruhe dieses Jahr verzichten. Das sei, so ließ man aus Stuttgart wissen, wegen des Handschriftenstreites nicht möglich. Trotzdem sind die meisten Veranstaltungen wieder umsonst.

Nach Geschlecht und Nationalität von Menschenrechten fragt ein interkulturelles Training, das gleichzeitig eine kurze Einführung in das Ausländerrecht gibt (13 Uhr, Internationales Begegnungszentrum). Wer sich schlau machen möchte, wo überall in Karlsruhe „Recht gesprochen" wird, wo Paragraphen gedeutet oder verändert werden, welche Rechte und Pflichten die ersten Stadtbewohner hatten, der sollte am zweistündigen Rundgang „Recht und Unrecht" um 17 Uhr teilnehmen (Treffpunkt: Waldstraße/Schlossplatz, Schranke beim BVG). Um die gleiche Uhrzeit liest Harald Schwiers amüsante Storys des türkischen und deutschen Eulenspiegels bei Tee oder Kaffee im Halima Kindergarten (17 Uhr, Wilhelmstraße 30). Im Rathaus kommen derweil von 16 bis 18 Uhr Kinder zu ihrem Recht. Dort bietet der Kinderschutzbund Theater, Infos und ein Quiz. Im Prinz-Max-Palais spürt Jan Knopf seinem Lieblingsdichter Brecht nach. „Unrecht an Frauen durch geltendes Recht" im Werk Bertolt Brechts wird als lockere Multimediashow bei Wein und Imbiss präsentiert.

Weiter im Programm: In Cannes erhielt der Film „L’enfant" vor zwei Jahren die goldene Palme. Das bewegende Sozialdrama der Brüder Dardenne spaltet die Gemüter: Der junge Bruno verscherbelte seinen Sohn für 5000 Euro an eine Drückerbande (20 Uhr in französischer Sprache im Landesmedienzentrum). Genau zur Tagesschauzeit müsste man sich vierteilen, denn gleichzeitig startet im Schloss ein Liederabend, im Tempel laden „Die Intendanten" unter dem Motto: Hab ich Recht?! zur ersten Live-Talkshow der Karlsruher Kulturszene ein, die Galerie Schrade eröffnet die Ausstellung „Shmuel Shapiro: Tor des Todes" und in der Orgelfabrik forschen die Spiegelfechter bei einem kabarettistischen Talk nach Recht und Ordnung (siehe Kabarett).

Schon eine Stunde später steht der Besucher wieder vor der Qual der Wahl: Zurecht gebogene, gesungene Kommentare mit dem Künstlerinnenduo Ana & Anda (Foto) im Ständehaussaal oder lieber die fetzige Vertonung „Tanz das Grundgesetz!" von Thomas Bierling? Das jazzig-avantgardistische Konzert sorgte bereits 2005 für bundesweite Aufmerksamkeit. CD-Release-Party, Club-Mix, Zuhören, Staunen und Tanzen verspricht dieses Event (Gotec, Gablonzerstraße 11) ab 21 Uhr (siehe Extra-Text). Wie verändert sich ein Mensch im Knast, mit dieser heiklen Frage beschäftigt sich das Theaterstück „Stanford Gefängnis Experiment – Quiet Rage", zu sehen um 21.30 Uhr im Jakobustheater. „Werke, Welten, Wirklichkeit – Demokratie im Spiegel der Kunst" heißt ein ambitioniertes Ausstellungsprojekt, organisiert von zehn Studenten des Fachs Europäische Kultur- und Ideengeschichte im ehemaligen Autohaus Zschernitz (Durlacher Allee 66); beteiligt sind junge und etablierte Künstler, unter anderem zeigt Reinhard Sigle Skulpturen (Foto), in denen er sich mit dem „Golfkrieg" auseinandersetzt, während Ingrid von der Heydt in ihren abstrakten Bildern „Schwarzarbeit" thematisiert, Vernissage um 19 Uhr. (www.WerkeWeltenWirklichkeit.de).  

Selbst für den Ausklang dieser prallgefüllten Nacht stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfü­gung, eine sei stellvertretend genannt: Im Rathaus tragen Prominente, Jugendliche, Migranten und Polizisten bei einer Non-Stop-Lesung Texte zum Thema Menschenrechte vor, Beginn 19 Uhr. Dieser fünfstündige Marathon endet gegen Mitternacht mit einem besonderen Auftritt, mehr wird nicht verraten!

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