EnBW will Kohlekraftwerk (fast) stilllegen

Stadtleben // Artikel vom 07.11.2021

Kohlekraftwerksblock RDK 7 (Foto: Michael Kauffmann)

Als „weiteren Schritt in Richtung Klimaneutralität“ feierte die EnBW die geplante Abschaltung ihres Kohlekraftwerksblocks RDK 7 in Karlsruhe.

Lange hielt der Energiekonzern an dem umstrittenen Kraftwerksblock fest, in dem seit 1985 Steinkohle zur Energiegewinnung verfeuert wird. Jetzt hat der Aufsichtsrat den Stecker gezogen. Der EnBW-Vorstand soll bis Mitte 2022 bei der Bundesnetzagentur die Stilllegung des Blocks beantragen; Umweltverbände fordern dagegen eine sofortige Abschaltung. Die Anlage sei nicht auf dem Stand der Technik, habe zu hohe Emissionen und schädige durch die Wärme- und Schadstoffeinleitungen auch das ökologische Gefüge des Rheins. Nach den Plänen der EnBW wäre eine endgültige Abschaltung des Kohlekraftwerkblocks frühestens 2023 möglich, aber unwahrscheinlich, da stillzulegende Kraftwerke von der Bundesnetzagentur als systemrelevant eingestuft und in der Regel noch als Netzreserve vorgehalten werden.

Wie zwei weitere benachbarte Kohlekraftwerke wird auch das außer Betrieb genommene Gaskraftwerk RDK 4S weiter als „Kaltreserve“ von 20 Mitarbeitern am Leben gehalten. „Von Stromknappheit kann keine Rede sein“, sagt demgegenüber Harry Block vom BUND Karlsruhe. Die EnBW hätte allein im vergangenen Jahr ein Drittel des erzeugten Stroms exportiert. Das RDK 7 war 2020 ungerechnet rund 100 Tage am Netz. Etwa zwölf Tage länger lief im vergangenen Jahr das 2014 in Betrieb genommene Kohlekraftwerk RDK 8, das ausdrücklich nicht von einer geplanten Stilllegung betroffen ist.

„Für den Block RDK 8 rechnen wir damit, dass dieser erst Anfang der 2030er Jahre stillgelegt wird und bis dahin einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung für das Land und Fernwärmeerzeugung für Karlsruhe leistet“, sagte ein EnBW-Sprecher auf INKA-Anfrage, gestand aber auch ein, dass sich „die Energiewelt seit der Investitionsentscheidung für RDK 8 natürlich fundamental verändert“ habe. Der fast vollständig im Eigentum des Landes sowie der Kommunen und Landkreise befindliche Energiekonzern steckt sich bei der Energiewende große Ziele. Bis 2030 sollen die CO2-Emmissionen um die Hälfte sinken, bis 2035 will der Konzern klimaneutral sein. 2018 emittierte der Gesamtkonzern noch 17,7 Millionen Tonnen CO2, bereits zwei Jahre später sei der CO2-Ausstoss auf 10,4 Millionen Tonnen pro Jahr gesunken, teilte das Unternehmen mit.

„Dieses Ziel wird die EnBW nach heutigem Stand der Anstrengungen – auch der Eigentümer – nicht erreichen“, sagt dagegen Block. Der Konzern setze noch zu sehr auf „die alte, nicht zielführende Sichtweise der Energiebereitstellung, riesige Investitionen in Megawatt“ statt kleine effiziente Kraftwerke und Geothermie zu fördern, meint er. Er kritisiert auch, dass die Stadtwerke Karlsruhe als EnBW-Tochter Energiegenossenschaften abgelehnt haben, in denen sich Menschen mit kleinen Anlagen ihre Energie aus Wind und Sonne selbst beschafften. Mit der Außerbetriebnahme von RDK 7 will die EnBW am Standort Karlsruhe derweil 800.000 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen.

Derzeit werden durchschnittlich etwa 2,8 Millionen Tonnen CO2 aus den Karlsruher Kraftwerken der EnBW in die Atmosphäre ausgestoßen. Zum Vergleich: Für das gesamte Stadtgebiet beziffert die Stadtverwaltung Karlsruhe den CO2-Ausstoß nach vorläufigen Zahlen des Jahres 2019 auf 2,3 Millionen Tonnen im Jahr. Großemittenten wie Raffinerie und Rheinhafendampfkraftwerk werden dabei nur in der Höhe eingerechnet, die durch den Eigenverbrauch im Stadtgebiet selbst entstehen. -fk

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