Halbe Kugel, volles Programm – der Outer Space des Staatstheaters

Stadtleben // Artikel vom 19.04.2015

Ein eigensinniges Wesen mit großem Freiheitsdrang hat er.

Wo man ihn auch hinstellt, er muss angebunden werden, damit es den Outer Space nicht „outta place“ zieht. Der „geodätische Dom“, wie die Kuppel auf der Terrasse des Badischen Staatstheaters im Fachjargon genannt wird, steht freitragend und droht ohne extra Befestigung am Boden abzuheben. So oder so – der Outer Space, der seit der Spielzeit 2013/14 installiert ist und bespielt wird, hebt sich vom alltäglichen Programm des Hauses ab. „Es ist ein Ort zum Experimentieren und Ausprobieren“, definiert ihn Eric Nikodym, der gemeinsam mit Jens Peters das Programm kuratiert.

Hier findet statt, was nicht ins Spartenprogramm und die üblichen Produktionsabläufe passt: Von Improtheater über Lesungen bis zur Hörinstallation reicht das bisherige Spektrum. Und auch für Parties ist Platz im Outer Space, besonders, wenn es im Frühjahr und Sommer wärmer auf der Staatstheater-Terrasse wird. Die Inhalte liefert, wer Lust hat. Einerseits sind das Mitglieder des Theaters – aber nicht nur die Schauspielerin oder der Sänger, auch der FSJler oder die Tontechnikerin können sich hier mit eigenen Ideen einbringen.

Der Outer Space steht aber auch deswegen vor dem und nicht im Staatstheater, weil er offen für Vorschläge und Konzepte aus der Stadt ist. „Mit dem Outer Space haben wir einen Ort geschaffen, der Leute aus Karlsruhe einlädt, selbst Vorschläge einzubringen“, erläutert Nikodym. So bespielten bereits die Improvisationstheatergruppen „Schmitz Katze“ und „Serviervorschlag“ den Raum, und andere Institutionen wie die Badische Landesbibliothek sind ebenfalls mit einmaligen Kooperationsprojekten wie einer Lesung zur aktuellen Tulpenausstellung zu Gast (21.4., 20 Uhr). Auch der Urknall, dem die Halbkugel im Sommer 2013 entsprang, ist mit einer solchen Zusammenarbeit verbunden: Im Rahmen des Wissenschaftsfestivals „Effekte“ weihten drei gemeinsame Inszenierungen mit dem KIT zu wissenschaftlichen Themen den Outer Space ein.

Der stand damals auf dem Schlossplatz – und kehrt Ende Juni bei „Effekte“ für drei neue Wissenschafts-Theaterabende dorthin zurück. Zuvor stehen unter anderem eine Lesung zum Völkermord an den Armeniern 1915 (26.4., 19 Uhr) und die Abschlussparty des „Queerkultur“-Festivals (2.5., 22 Uhr) an. Auch im Rahmen eines Protestzuges gegen das TTIP-Abkommen am 18.4. wird der Outer Space mit einem eigenen Programmpunkt zum Schauplatz. Ein Vorteil dieser Spielstätte ist ihr Herausfallen aus gängigen Theaterraum-Strukturen: „Man hat die Gelegenheit und die Herausforderung, nicht in eine Form gepresst zu sein. Man muss sich überlegen, ob man klassisch mit Bühne und Publikum arbeiten will oder ob sich etwas anderes ergeben soll“, erklärt Jens Peters. Die besondere Architektur des Raumes animiert, sich mit ihm auseinanderzusetzen und zu neuen Inszenierungsformen zu gelangen.

Der Eintritt in den Outer Space ist umsonst und der offizielle Teil geht in ungezwungene Barabende am selben Ort über. Wer sich mit einer Idee für den Outer Space einbringen möchte, kann sich beim Kuratorenteam Nikodym und Peters melden. -fd

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