Interview mit Ettlingens Kulturamtsleiter Dr. Determann

Stadtleben // Artikel vom 11.04.2013

In unserer Serie zum Kulturtourismus schauen wir im April vor die eigene Haustüre.

Auf Ettlingen, nahe an Karlsruhe gelegen und gut angebunden, aber gleichzeitig eine eigenständige Kulturstadt und das Tor zum Albtal und dem Nordschwarzwald. Patrick Wurster und Roger Waltz sprachen mit einem der engagiertesten (Kultur-)Netzwerker der Region: Dr. Robert Determann, langjähriger Leiter des Kulturamtes Ettlingen und des Arbeitskreises Kultur der Technologieregion.

INKA: Karlsruhe kann mit einem neuen Übernachtungsrekord aufwarten und will das Thema Kulturtourismus künftig noch stärker in den Fokus rücken. Eine nicht nur geografisch naheliegende Destination für Kurzreisende und Wochenendausflügler ist Ettlingen. Wie sind Sie auf Tagestouristen eingestellt?
Robert Determann: Wenn Sie die belebte Innenstadt an den Wochenenden sehen, stellen Sie fest, dass die Tagesgäste Ettlingen schon entdeckt haben. Sie genießen eine malerische historische Altstadt mit zahlreichen Restaurants und Cafés, das Schloss mit seinen Barocksälen und Ausstellungen des Museums – ein historischer Rundgang oder die Kunstkarte geben Hinweise für gezieltes Entdecken, aber auch eine Vielzahl von Führungsangeboten und kulturellen Veranstaltungen laden den Besucher ein. Für die Naturfreunde gibt es wunderschöne Parks und nicht zuletzt den landschaftlichen Reiz am Eingang des Albtals, das einlädt zum Laufen, Wandern, Biken und vielem mehr.

INKA: Wie gestaltet sich der Austausch mit den Tourismusverantwortlichen in Karlsruhe und wo sehen Sie (auch als Vorsitzender des Arbeitskreises Kultur der TechnologieRegion Karlsruhe) Verbesserungspotenzial, wenn es darum geht, gemeinsam für die Region zu werben?
Determann: Die Tourismusaktivitäten in der Region waren in der Vergangenheit eher vereinzelt und kaum koordiniert. Das betrifft nach meiner Einschätzung die gesamte Region. In der Kulturarbeit gibt es dagegen bereits eine lange, lebendige und fruchtbare Kommunikation und Kooperation. Die Städte und Gemeinden im Albtal haben ja jetzt auf Betreiben des Oberbürgermeisters von Ettlingen den Beginn einer schlüssigen und professionell gemanagten Tourismusregion gestartet und sind natürlich offen für weitere Kooperationen. Ich halte diese, wie sie ja auch in der Technologieregion Karlsruhe angelegt sind, für unverzichtbar. Die Region kann ihre Außenwirkung noch wesentlich steigern, wenn sie öfter die Stärken der einzelnen zu attraktiven Paketen bündelt und professionell kommuniziert – ein Beispiel ist das Potenzial der Schlösser in unserer Region.

INKA: Bei Ettlingen denkt man unmittelbar an die unter Intendant Udo Schürmer wiedererstarkten „Schlossfestspiele“; das Schloss inmitten der Altstadt ist zwar auch ansonsten ein etablierter Veranstaltungsort und wird mit dem Museum und Konzerten im Asamsaal gut besucht, allerdings noch nicht als eigenständige Marke wahrgenommen. Welche Überlegungen bestehen, nach der Sanierung auch die Außenwirkung zu untermauern?
Determann: Das Schloss ist Spielort für Festspiele und großartige klassische Konzerte, Bühne für Kleinkunst, Raum für hervorragende Ausstellungen des Museums und gesellschaftlicher Mittelpunkt der Stadt. Wir werden alle diese unterschiedlichen und vielfältigen Angebote künftig noch konsequenter unter der Marke „Schloss Ettlingen“ kommunizieren und die Möglichkeiten im eigenen Haus untereinander stärker kombinieren – das reicht von kulturellen Rahmenprogrammen bei privaten Veranstaltungen bis hin zur Nutzung der unterschiedlichsten Räumlichkeiten. Zentrale Schlosserlebnistage öffnen das Haus für ein breites Publikum und präsentieren die vielfältigen Möglichkeiten von den Barocksälen bis zu den Veranstaltungen und Events. In diesem Rahmen wird es auch thematische Bündelungen geben, zum Beispiel mit einem weihnachtlich dekorierten Schloss mit Weihnachtsausstellung, Konzerten, Kinderveranstaltungen, Führungen oder Workshops. Bereits 2012 liefen ja bereits auch ungewöhnliche Open-Air-Veranstaltungen wie die Chornacht oder der Barockball.

INKA: Ettlingen ist ja das Tor zum Albtal und auch zum Nordschwarzwald – wo vieles in den 70er Jahren stehengeblieben ist, nun aber neuer touristischer Schwung kommen soll; so hat sich eine neue Arbeitsgemeinschaft gebildet. Auch der angedachte Naturschutzpark gilt vielen als potenzieller Tourismusmotor. Wie ist ihre Meinung zur Situation?
Determann: Der Naturpark hat das touristische Thema im Grunde neu etabliert und viele Impulse zur touristischen Erschließung und Vermarktung der uns umgebenden Landschaft gebracht. Für Ettlingen war die Mitgliedschaft als Portalgemeinde wichtiger Impulsgeber zur Beschäftigung mit dem Tourismus. Der Verein „Albtal plus“ hat diese Impulse in dem kleineren Landschaftsraum des Albtals aufgenommen und weiter entwickelt. Die Bildung einer neuen Tourismusgemeinschaft im vergangenen Jahr ist hier ein schlüssiger Schritt, um das Potenzial an Natur und Kultur auch professionell zu vermarkten und letztendlich auch die Gästezahlen zu steigern.

INKA: Sie sind, zusammen mit Frau Haendle aus Gaggenau, auch Vorsitzender des Arbeitskreises Kultur mit den KulturamtsleiterInnen der Städte der TechnologieRegion Karlsruhe. Wie läuft aus Ihrer Sicht der Austausch in Sachen Tages- oder Mikrotourismus zwischen Karlsruhe, Ettlingen, Gaggenau, Rastatt, Bruchsal oder Bühl? Und was gäbe es zu verbessern?
Determann: Der Arbeitskreis Kultur ist seit vielen Jahren eine ausgesprochen kollegiale Plattform für fachlichen Austausch und Kooperation in der TRK. Hier wurden schon viele kleinere regionale Projekte und Programme der Regionaltage konzipiert und umgesetzt. Die neue Broschüre über Heinrich Hübsch der TRK/Arbeitskreis Kultur ist ein schönes Beispiel dafür, wie Kulturthemen regional aufbereitet werden und kulturtouristische Impulse geben können. Auf dieser Ebene haben wir noch viel Potenzial, beispielsweise mit einer regionalen Präsentation des Tages des offenen Denkmals.

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