Joachim Krebs & Klanglandschaften entlang des Rheins

Stadtleben // Artikel vom 28.06.2017

Hörbar machen, was wir im Alltag gerne überhören, ist eines der Grundprinzipien von Klangkunst.

Hörbar machen, was wir erst gar nicht hören können, war das erklärte Ziel des Karlsruher Künstlerduos SA/JO, also Sabine Schäfer und Joachim Krebs. Nach dem Tod von Krebs im Jahr 2013 macht das ZKM nun so umfassend wie nie hör- und sichtbar, womit sich der Komponist und Klangkünstler sein Leben lang beschäftigt hat. Von großer Bedeutung in seinem vom Philosophen Gilles Deleuze beeinflussten Schaffen war die Transponierung von Tierstimmen und anderen für uns nicht wahrnehmbaren Naturklängen in den menschlichen Hörbereich.

So machte Krebs u.a. die Laute von Insekten für den Menschen zugänglich und auf eine allgemeine künstlerisch-theoretische Strömung aufmerksam: Heute werden ganze philosophische Bücher über Infra- und Ultraschall (Steve Goodman) geschrieben und viele klangkünstlerische Projekte setzen sich mit dem (zunächst unhörbaren) Sound von Mikroorganismen oder etwa durstenden Bäumen auseinander. Und selbst in der Populär-Fachliteratur ist das Thema angekommen: Bücher über neue Forschungen der Kommunikation von Pflanzen, Tieren oder Mikroorganismen erfreuen sich jenseits aller „Mein Freund ist ein Baum“-Esoterik hoher Auflagen.

Außerdem zentral war für Krebs die Einbettung solcher (und anderer) Klänge in den Raum. Mit SA/JO entwickelte er Raumklang-Environments – begehbare, virtuelle Klanglandschaften. Der betretbare Raumklangkörper „Sonic Lines’n’Rooms“ gehört neben Handschriften, Ton- und Videoaufnahmen und Tonbandstücken aus der Reihe „Artifical Soundscapes“ zum Inventar der Ausstellung, die noch bis zum So, 16.7. in der ZKM-Medialounge läuft.

Weitere Exkursionen in solcherlei Klanglandschaften bieten das ZKM und die Bundesanstalt für Wasserbau an: Ihre Video-Klangreise führt den Rhein entlang von Iffezheim bis Karlsruhe und sonifiziert die Wasserströmungen des Flusses. Anhand dieser neu gewonnenen Klänge sowie mittels kommentierten Ton-, Luft- und Landschaftsaufnahmen lässt sich die technische und wirtschaftliche Rolle des Oberrheins, aber auch seine Bedeutung als Naherholungsgebiet verstehen (Mi+Do, 28.+29.6 + Sa+So, 1.+2.7., jeweils 16 Uhr, ZKM-Kubus). -fd

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