Kaffee: Fair Trade, Bio, Transfair, Direct Trade?

Stadtleben // Artikel vom 07.11.2016

Fair, Bio, Öko, direkt gehandelter Kaffee und eine Vielzahl an Labels dazu - Roger Waltz fragte bei Gerald Hammer (Espresso Tostino/Espresso Stazione) nach, weshalb gerade beim Kaffee klare Standards wichtig sind.

INKA: Ihr wart die ersten, die in Karlsruhe fair gehandelten Biokaffee selbst geröstet und sogar in den Bio-Supermarkt gebracht haben. Was hat es mit den vielen Labels auf sich?
Gerald Hammer: Erstmal muss ich widersprechen: Wir arbeiten auch mit fair gehandeltem Kaffee, dürfen damit aber nicht werben, da wir nicht mit einem Label zertifiziert sind. Aus verschiedenen Gründen sind unsere Kaffees ausschließlich biozertifiziert. Da ist zunächst die Unübersichtlichkeit. Es gibt neben dem bekannten Transfair-Siegel noch reichlich andere wie z.B. UTZ oder Rainforest Alliance, auch für Insider nur schwer zu durchschauen. Zudem genügen für das Transfair-Siegel 20 Prozent Anteil an fairer Ware, um gelabelt zu werden. Das ist uns zu verwaschen.

INKA: Das „Labeln“ ist also selbst ein Business?
Hammer: Offenbar leben manche Organisationen allein vom Labeln. Die Gepa z.B. gehen daher inzwischen mit einem eigenen Label voran, das viel höhere Anforderungen an Erzeugung, Bezahlung und Soziales stellt. Es fehlen klare, einheitliche Vorgaben, um faire Ware und deren Herstellung und Handel transparent zu machen. Ein Beispiel könnte das Bio-Siegel sein. Im Endeffekt ist die Gesetzgebung gefordert, um für den Verbraucher Transparenz zu schaffen.

INKA: Wo kauft man dann Kaffee, wenn man das Wort „fair“ wirklich gewährleistet haben möchte?
Hammer: In den Eine-Welt-Läden kennt man sich z.B. mit den Fair-Siegeln bestens aus und weiß, was hinter der entsprechenden Ware steckt. Sollte man in Cafés fairen Kaffee angeboten bekommen, darf gerne mal nachgefragt werden, was damit gemeint ist. Das Problem ist einfach, dass der Begriff „Fair“ nicht wie „Bio“ oder „Öko“ geschützt ist und somit dem Missbrauch quasi Tür und Tor offen steht. Es lässt sich ja heute sehr gut damit werben. Auch ein Begriff wie „Direct Trade“, also direkter Handel, ist nicht geschützt und nur dann etwas wert, wenn man der Person, die dahinter steht, vertrauen kann.

INKA: Drücken sich hohe Standards auch im Preis aus?
Hammer: Kleinere Produktivität, faire Entlohnung der Pflücker und Bauern und die Kosten der Kontrollen schlagen sich natürlich auf den Preis nieder. Aber letztlich kann man sich auch fragen, ob einem der Kaffee noch schmeckt, wenn man weiß, dass ein Pflücker nicht einmal seine Kinder auf eine Schule schicken kann. Von daher eignet sich Kaffee auch gut, um das Dilemma unserer heutigen Welt zu beschreiben. Wir wollen möglichst billig Ware konsumieren, ohne den wahren Preis dafür zu bezahlen. Der Klimawandel wird seinen Teil dazu beitragen, dass die Anbauflächen für Hochland-Spitzenkaffees um ein Drittel zurückgehen werden. Der Preis wird also steigen – ob davon die Bauern profitieren, wird man sehen.

INKA: Was gibt es Neues aus euren eigenen Betrieben? Euren Kaffee kann man ja z.B. auch im Füllhorn kaufen – wo wird er derzeit in Karlsruhe noch ausgeschenkt?
Hammer: Espresso Tostino im Schlachthof wird zunehmend attraktiver. Unsere nächsten Veranstaltungen sind verschiedene Kurse rund um den Kaffee, eine kleine Abendveranstaltungsreihe ist in Planung. Unseren Bio-Espresso und -kaffee gibt es u.a. im Tante Emma, im Café Palaver, in der Isetta-Kaffeebar, im Fünf, in der Oberländer Weinstube, im Löwenbräukeller, in Carls Wirtshaus, im Tollhaus, in der Fettschmelze, in der Schlachthof-Gaststätte, im Electric Eel und natürlich beim Espresso Mobile auf dem Gutenbergplatz. In Mannheim haben wir seit ein paar Wochen eine sehr hippe Kaffeebar, die Perle, die mit unserem Kaffee arbeitet. Und unser Webshop ist in Planung.

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